"Kundschafter des Friedens": Ein fideler Agenten-Schwank

Im Kino

Weit, weit im Osten. In "Katschekistan" wird der Präsident entführt, mit ihm ein Mann vom BND. Und wer soll die Kastanien aus dem Feuer holen? Ein Ex-Agent der DDR, ein Rudi Rüstig mit roten Socken, gespielt von Henry Hübchen. Der besteht darauf, die Kumpels von früher anzuheuern.

DORTMUND

, 23.01.2017, 15:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Kundschafter des Friedens": Ein fideler Agenten-Schwank

Auf zum Flug nach Katschekistan: (v.l.) Thomas Thieme, Michael Gwisdek, Henry Hübchen, Antje Traue.

Im sozialistischen Jargon waren Ost-Spione "Kundschafter des Friedens", so heißt der fidele Agenten-Schwank von Robert Thalheim, der sich einen Spaß daraus macht, die alte Garde ostdeutscher Schauspieler auf geheime Mission zu schicken.

Hübchens Jochen reaktiviert seine Stasi-Spezis aus dem Kalten Krieg, die dank ihrer Kontakte nun gefragt sind. Jacky (Michael Gwisdek) war der Techniker, heute repariert er Elektroschrott. Der Logistiker Locke (Thomas Thieme) schlägt sich als windiger Finanzhai durch.

Bester Romeo-Agent

Und Harry (Winfried Glatzeder) versucht, seinen brüchigen Rest-Charme zu konservieren, er galt als Mischa Wolfs bester Romeo-Agent, der auf weibliche Geheimnisträger angesetzt wurde. Diese Fossile sollen jetzt einem Top-Mann des BND die Haut retten, ausgerechnet Frank Kern (Jürgen Prochnow), einst ihr schlimmster Feind.

Weil eine Rente winkt, übernehmen die Ossis den Job. Als Aufpasserin wird ihnen BND-Agentin Paula (Antje Traue) aufs Auge gedrückt. "Überleben die Zonen-James Bonds den Flug?", höhnen die Wessis. "Die alten Säcke haben Blutwerte wie russische Hammerwerfer", staunt der Arzt.

Witze über Honeckers Gloria und den Sozialismus

Die Chemie unter den alten Säcken pendelt zwischen Wehmut, Stänkerei und fröhlichem Gekabbel. Hübchen und Co. spielen wunderbar, reißen Witze über Honeckers Gloria und den Sozialismus, der ihnen in Form von Resopal, Plaste und Elaste begegnet, als sie in der früheren Sowjetrepublik eintreffen.

Zeitreise in eine Vergangenheit, die in Katschekistan noch lebendig ist. Jochen pfeffert den Laptop aus dem Fenster, die Stasi arbeite analog! Mit Methoden von gestern geht die Truppe ans Werk.

Kleine, feine Komödie

Es wird flott erzählt, der Humor bleibt angenehm lakonisch, die Kamera suggeriert eine Grandezza, die angesichts sozialistischer Tristesse pure Ironie ist, die Musik macht in Easy Listening.

Eine kleine, feine Komödie, die dank ihrer Darsteller bestens unterhält. Am Dienstag (20 Uhr) hat der Film in der Essener "Lichtburg" Premiere, Henry Hübchen, Winfried Glatzeder, Robert Thalheim sind dabei.