Kunst aus dem Feuer geboren

Emil Schumacher

Kaum jemand weiß, dass Emil Schumacher auch Porzellan bemalt hat. In „seinem“ Hagener Museum sind nun 42 Werke aus dem Weißen Gold zu sehen. Dabei mochte er das feine Material am Anfang gar nicht.

hagen

, 25.01.2018 / Lesedauer: 3 min
Kunst aus dem Feuer geboren

Die ausgestellten Teller wie „KPM – 16/1992“ sind Unikate. © Foto: Museum

Emil Schumacher war nicht nur für seine Heimatstadt Hagen ein bedeutender Künstler. Hauptsächlich widmete er sich der Malerei und experimentierte gern mit Materialien. „Mein Vater hat viel mit Dingen gearbeitet, die für andere keinen Wert mehr hatten“, sagt Ulrich Schumacher, Sohn von Emil Schumacher und Chef der Emil-Schumacher-Stiftung.

Anfang der 90er-Jahre kam die KPM, die Königliche Porzellan-Manufaktur mit Sitz in Berlin, auf Emil Schumacher zu und fragte, ob er Porzellan gestalten wollte. „Eigentlich widerstrebte meinem Vater das Material“, weiß Ulrich Schumacher. „Das Porzellan war so fein und weiß. Zu perfekt für meinen Vater.“

57 Porzellanteller gestaltete der Künstler

Dennoch hat Schumacher es ausprobiert. Nach einem Besuch der KPM war er überzeugt von der Idee. So entstanden 57 Platten, also Porzellanteller, von denen 42 in der Ausstellung „Emil Schumacher – Bilder auf Porzellan“ des Emil Schumacher Museums zu sehen sind. 55 der 57 Platten gehören dem Museum. Die beiden anderen Porzellanteller sind in Privatbesitz.

Dass Schumacher auch Porzellan verzierte, ist das Besondere. Im 18. Jahrhundert war das feine Material Königen und adeligen Familien vorbehalten. Das Meißner Porzellan zum Beispiel.

Porzellan ist nicht serienreif

„Mit dem Porzellan von Schumacher und anderen zeitgenössischen Künstlern gab es neue, angewandte Kunst im 20. Jahrhundert“, erklärt Rouven Lotz, Kunsthistoriker und Wissenschaftlicher Leiter des Emil Schumacher Museums. „Die damaligen Künstler müssen sich gesagt haben, ,Jetzt passen wir die Kunst mal an unsere Zeit an‘“, vermutet Lotz und lacht.

Die ausgestellten Teller wie „KPM – 16/1992“ (Foto) sind Unikate. „Es ist ein zu komplizierter Vorgang, dieses Porzellan serienreif zu machen“, sagt Ulrich Schumacher.

Inspiration kam von anderen Designern und Künstlern

Inspirieren ließ sich Emil Schumacher von Jugendstilkünstler Henry van de Velde (1863-1957), der auch für den Innenausbau des Hagener Osthaus-Museums verantwortlich zeichnete, und Trude Petri, einer deutschen Bildhauerin (1906-1998).

Neben den verschiedenen Tellern und Tassen von Schumacher gibt es auch historisches Meißner Porzellan mit Goldauflage in der Ausstellung zu sehen. „Die Motive reichen von chinesischen Szenen bis hin zu Einhörnern“, sagt Lotz.

Ausgewählte Bilder von Schumacher runden das Gesamtbild der Ausstellung ab. Ein dunkles Gemälde, das von Emil Schumacher aus Asphaltklumpen plastisch gestaltet wurde, bildet den Kontrast zum feinen, hellen Porzellan. „Und beides, sowohl das Bild als auch das Porzellan, wird mit Feuer geschaffen“, erläutert Ulrich Schumacher.

Die Kultur des Porzellans hat sich verändert

Die Ausstellung schafft ein Verständnis für die veränderte Kultur des Porzellans. Früher tranken die Menschen beispielsweise ihren Kaffee aus der Untertasse und konnten während des Schlürfens die Motive auf ihr betrachten. „Heutzutage trinken doch alle ihren Kaffee to go“, sagt Ulrich Schumacher ein wenig enttäuscht.

Aber wie isst es sich von einem Schumacher-Porzellanteller? Das weiß Ulrich Schumacher nicht, die Stücke sind zu kostbar: „Wir haben nie von dem Porzellan gegessen.“

Emil Schumacher Museum Hagen: „Emil Schumacher – Bilder auf Porzellan“, 28.1. (Eröffnung 11.30 Uhr) - 22.4., Museumsplatz 1, Di-So 11-18 Uhr. Das benachbarte Osthaus-Museum zeigt „Russland heute“ (bis 25.2.) und „Peter Schmersal“ (bis 8.4.).