Kunst aus Kolumbien bewegt tief

Ausstellung "Aliento" in Bochum

Der nackte junge Mann ist bildschön. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass ihm ein Unterschenkel fehlt. Er war auf eine Landmine getreten. Die Ausstellung "Aliento - Arte de Colombia" mit Kunst aus Kolumbien bestürzt und bewegt den Besucher im Museum Bochum tief.

BOCHUM

von Von Bettina Jäger

, 22.11.2013, 19:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drogenkartelle, Entführungen, Menschenrechtsverletzungen - negative Nachrichten prägen unser Bild Kolumbiens. Viel Brutalität gebe es dort tatsächlich, sagte gestern Hans-Michael Herzog von der Daros-Kunstsammlung. "Aber gleichzeitig gilt die Hauptstadt Bogotá als das Athen Lateinamerikas", betonte er. Dieses Janus-Gesicht der kolumbianischen Gesellschaft prägt auch die besonders empfehlenswerte neue Ausstellung, die das Kunstmuseum Bochum ab heute in Zusammenarbeit mit der Schweizer Daros Collection zeigt.Schweizer Kunstsammlung

Die Daros Collection? Das ist die fast 1200 Werke umfassende Kunstsammlung von Ruth Schmidheiny. Diese Schweizerin präsentiert ihren Besitz normalerweise nur in Zürich und in der "Casa Daros" in Rio de Janeiro. Aber schon 2007 hatte Hans Günter Golinski, Direktor des Bochumer Museums, eine Auswahl zeigen können. Diesmal verständigte er sich mit Kurator Hans-Michael Herzog darauf, nur Werke aus Kolumbien zu präsentieren.Der Titel bedeutet "Atem"

Und die haben es in sich. "Aliento" bedeutet "Atem". Die gleichnamige Arbeit von Oscar Muñoz besteht aus einer Reihe kleiner runder Spiegel, die der Besucher anhauchen muss. So erscheint wie von Zauberhand das Porträt eines Verstorbenen - eine poetische Arbeit, die gleichzeitig an das spurlose Verschwinden von Menschen in Diktaturen denken lässt.

Auch Miguel Ángel Rojas kritisiert Gewalt und Krieg, jedoch mit viel Respekt vor den Opfern. Nicht nur sein nackter "David" hat durch Minen ein Bein verloren, Rojas zeigt in einem Film auch einen Guerilla-Kämpfer ohne Hände. Bestürzend ist das auf den Boden projizierte Video von Liliana Vélez Jaramillo: Eine Frau (es ist die Künstlerin selbst) putzt, indem sie den Boden ableckt - eine Kritik an der Ausbeutung von Dienstboten.Alle Menschen sind gleich

Die Arbeit "Menschliche Rechte" von Fernando Arias bewegt den Betrachter ebenfalls tief. Ein Soldat, ein Paramilitär, ein Bauer und eine Guerillakämpferin ziehen sich vor der Kamera aus - und siehe da: Alle Menschen sind gleich.

Kunstmuseum Bochum: "Aliento", Eröffnung am Samstag, 23.11., um 17 Uhr, bis 2.2.2014, Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, an jedem 1. Mittwoch im Monat freier Eintritt, Katalog 5 Euro (wichtig zum Verständnis!), Begleitheft kostenlos.

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