Kunst gegen das Vergessen

Lehmbruck-Museum

Auf allen Vieren kauert der "Gestürzte" von Wilhelm Lehmbruck, den Kopf stützt er auf dem Boden auf. Die Skulptur aus dem Jahr 1914 ist ein Schlüsselwerk der Kunst, die im Ersten Weltkrieg entstanden ist. Und sie steht im Zentrum der großen Ausstellung "Zeichen gegen den Krieg" im Lehmbruck-Museum Duisburg.

DUISBURG / DORTMUND

, 07.01.2014, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf große Ausstellungen erinnern in der Region an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Neben der Schau in Duisburg (11. 9. bis 7. 12.) sind das „1914 – Mitten in Europa“ vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) und dem Ruhrmuseum Essen in der ehemaligen Kokerei Zollverein (30. 4. bis 26. 10.) und „MenschenSchlachthaus“ (8. 4. bis 27. 7.) im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal. Das Kunstmuseum Mühlheim die Grafik-Schau „Kunst und Erster Weltkrieg (11.2. bis 27.4.). Das Osthaus-Museum Hagen bezieht in „Weltenbrand“ (18.  5. bis 10. 8.) auch Baudenkmäler aus der Stadt ein.

Exkursionen

Die Duisburger Ausstellung zeigt mit Arbeiten von 15 Künstlern, wie sich die zeitgenössische Kunst mit dem Krieg auseinandergesetzt hat. Lehmbrucks "Gestürzter" ist als Gegenbild zum heldenhaften Soldaten ein Beispiel.

Der LVR und das Ruhrmuseum lenken den Blick mehr auf die gesellschaftlichen Umwälzungen und Modernisierungen jener Zeit, die in der hochindustrialisierten Region an Rhein und Ruhr vorherrschten. Der LVR bietet mit der Thomas-Morus-Akademie Bensberg auch eine Reihe von Exkursionen an - Ausflüge in die Region oder auch nach Frankreich. Kontakt: Tel. (022 04) 40 84 72.Otto Dix und Max Beckmann

Das Wuppertaler Museum zeigt, wie Künstler wie Max Beckmann, Otto Dix, George Grosz und andere auf der deutschen Seite sowie Pierre Bonnard, Maurice Denis, Georges Rouault und andere auf der französischen Seite das welterschütternde Ereignis in Kunstwerken verarbeitet haben. In zwölf Kapiteln erzählt die Schau nicht nur vom unmittelbaren Kriegsgeschehen, sondern auch davon, wie es zu dem Krieg kam, wie die Menschen an der Heimatfront gelebt und gelitten haben.

Krieg und Kleider Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz arbeitet mit 16 Ausstellungen in und um Berlin die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" auf. Da geht es auch um "Krieg und Kleider", den "Ersten Weltkrieg im Kinderbuch" und "Fotografie im Ersten Weltkrieg".

"Das Unauslöschliche" von Sibelius

Auch die Konzerthäuser und Orchester erinnern an den Kriegsbeginn. Zu den musikalischen Schlüsselwerken gehört die vierte Sinfonie von Sibelius mit dem Beinamen "Das Unauslöschliche". Im Finale des 1914 bis 1916 komponierten Werks steht ein furioses Paukenduell. Auch Ravels "Le Tombeau de Couperin", ebenfalls im Ersten Weltkrieg komponiert, ist ein Werk, das sich unmittelbar mit dem Kriegsgeschehen auseinandersetzt. Jeden der sechs Sätze hat Ravel einem gefallenen Kameraden gewidmet.

Geschichte vom Soldaten

Bei den Salzburger Festspielen zieht sich der Krieg als roter Faden durch das Schauspiel-, Oper- und Konzertprogramm. Zu sehen ist unter anderem Karl Kraus' Anti-Kriegstheater "Die letzten Tage der Menschheit".

Beim Musikfestival "Klangzeit" in Münster (19.1. bis 2.2.) steht "Krieg und Frieden" im Mittelpunkt. Unter anderem steht Strawinskys 1919 komponierte "Geschichte des Soldaten", ein Schlüsselwerk zum Ersten Weltkrieg, auf dem Programm.  Klavier-Festival erinnert an Versehrte

Und auch das Klavier-Festival Ruhr erinnert an den Kriegsbeginn. Leon Fleisher eröffnet das Festival am 9. Mai mit Ravels "Konzert für die linke Hand" aus dem Jahr 1929/30.