Kunstfälscher Beltracchi: "Wer Vertrauen in die Kunst hat, muss verrückt sein"

Talk im Gasometer

Er ist ein Genie und ein Betrüger zugleich. 2011 wurde er in einem der größten Kunstfälscher-Prozesse der Welt zu sechs Jahren Haft verurteilt. Jetzt war Wolfgang Beltracchi zur Talk-Runde zu Gast im Oberhausener Gasometer - und zeigte sich im Gespräch extrem lässig.

OBERHAUSEN

, 19.06.2015, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kunstfälscher Beltracchi: "Wer Vertrauen in die Kunst hat, muss verrückt sein"

Vor dem Gasometer: v.l. Matthias Keidel, Helene und Wolfgang Beltracchi, Gasometer-Chefin Jeanette Schmitz und Philipp Reichling.

 "Was ist der Kunst heilig?" - Ein heikles Thema, wenn man dabei den bekannten, zwischenzeitlich im Gefängnis gesessenen Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi mit dem katholischen Pater und Kunsthistoriker Philipp Reichling diskutieren lässt. Könnte man zumindest meinen.

Lässiger Auftritt

Über der entsprechenden Veranstaltung am Donnerstag im Oberhausener Gasometer schien aber eher der Titel der dort aktuell präsentierten Ausstellung "Der schöne Schein" zu schweben, so harmonisch ging es zu. Das lag auch daran, dass die beiden "Kontrahenten" gar nicht so recht aufeinander losgelassen wurden, Moderator Matthias Keidel von der Katholischen Akademie "Die Wolfsburg" vielmehr seine Gäste, zu denen auch Beltracchis Frau Helene gehörte, meist einzeln befragte. So wurde der Gasometer vor allem zur großen Bühne für den extrem lässig und cool auftretenden, selbstbewusst plaudernden Wolfgang Beltracchi. Auf den Vorwurf Reichlings etwa, das Bewusstsein der Menschen verletzt zu haben, dass man Vertrauen in etwas setzen kann, konterte der 64-Jährige: "Wer Vertrauen in die Kunst hat, der muss verrückt sein."

"Ich kann das halt"

Und dann erklärte er noch mal seine vom bloßen Kopieren völlig abweichende Vorgehensweise: "Ich habe die Handschrift, den Pinselstrich meiner Maler übernommen, ich habe mich in die Malerei hineingedacht, in ihr Leben, ich habe das übernommen, assimiliert und habe dann Bilder gemalt in der gleichen Zeit, in der gleichen Handschrift, im gleichen Duktus, nur andere Bilder... Ich kann das halt, ich weiß nicht warum."

Dabei gestand er unumwunden ein: "Durch die falsche Signatur ist das ein krimineller Akt, das ist Betrug, und dafür haben wir im Gefängnis gesessen, dafür hat man uns auch alles abgenommen, dafür haben wir auch gebüßt. Das würden wir auch nie wieder machen. Aber die Bilder, die sind kein Betrug, die Bilder sind Originale, die ich gemalt hab und die ich auch liebe. Das sind meine Kinder."

Handwerk "absolut verpönt

An der heutigen Kunstausbildung bemängelte er, dass Handwerk "absolut verpönt" sei. Die jungen Künstler, so Beltracchi, "lernen zu wenig, um was damit machen zu können. Ich glaube, dass heute viel Kunst aus dem Unvermögen entsteht. Das ist eigentlich schade, aber es ist so."