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Kunstmuseum Bern prüft, ob es Gurlitt-Erbe annimmt

Fragen und Antworten

„Wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ hatte im Kunstmuseum Bern die Nachricht eingeschlagen. Der verstorbene Kunstliebhaber Cornelius Gurlitt hat seine umstrittene Sammlung, in der Hunderte von Bildern unter Raubkunstverdacht stehen, dem Haus hinterlassen. Nun prüft das Museum, ob es die Erbschaft annimmt. Fragen und Antworten in einer heiklen Situation.

BERN

08.05.2014 / Lesedauer: 3 min
Kunstmuseum Bern prüft, ob es Gurlitt-Erbe annimmt

epa04195296 Exterior view of the Kunstmuseum in Bern, Switzerland, 07 May 2014. The Kunstmuseum said on 07 May that it was informed by Christoph Edel, lawyer of German art collector Cornelius Gurlitt, who died 06 May, that Gurlitt has appointed the private-law foundation Kunstmuseum Bern his unrestricted and unfettered sole heir. EPA/GIAN EHRENZELLER +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Die eigentliche Alleinerbin ist die privatrechtliche „Stiftung Kunstmuseum Bern“. Daher muss der Stiftungsrat innerhalb von sechs Monaten entscheiden, ob er das Erbe antritt. Er wird zwei Fragen untersuchen müssen: 1. Ist die Sammlung überhaupt so qualitativ hochstehend wie vermutet? 2. Lassen sich Raubkunst und Werke mit sauberer Herkunft mit vertretbarem Aufwand heraustrennen oder würde die Provenienzforschung die Berner noch über etliche Jahre hinweg beschäftigen?

458 unter Raubkunstverdacht stehende Bilder sollen ein Jahr lang in der Obhut der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ bleiben. Diese Vereinbarung hatte Gurlitt selbst erst im April mit der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern getroffen. Sie ist laut bayerischem Justizministerium auch für die Erben bindend. Das Kunstmuseum Bern will für die Forschung keine Stiftungsgelder einsetzen. Kosten müssten also aus dem Gurlitt-Erbe selbst gedeckt werden.

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De Schweizer Behörden erwarten eine lückenlose Prüfung Bild für Bild. Man werde strikt darauf achten, dass die Nachlassabwicklung „den internationalen und nationalen Normen entspricht“, heißt es im Schweizer Bundesamt für Kultur (BAK). Die Eidgenossenschaft hatte 1998 die Washingtoner Erklärung unterzeichnet und sich damit verpflichtet, Nazi-Raubkunst zu identifizieren, die rechtmäßigen Besitzer zu finden und die Werke entweder zurückzugeben oder eine „faire Lösung“ zu finden. Für Museumsdirektor Frehner ist das selbstverständlich. „Natürlich muss man jedes Gesuch auf Rückübertragung sorgfältig prüfen. Aber wenn die Fakten klar sind, dann ist auch unsere Reaktion klar. Dann muss es zu einer Restitution kommen.“

„Wir könnten Bilder, die man sehr lange nicht oder vielleicht überhaupt noch nie gesehen hat, erstmals zeigen. Das ist eine einzigartige Herausforderung“, sagte Matthias Frehner gestern. Danach könnten auch Museen in Deutschland zum Zuge kommen. Die Berner wären bereit zu Leihgaben und Wanderausstellungen. „Ich habe bereits eine Anfrage von einem Kollegen in München“, berichtete Frehner. Vom wem konkret, sagt er vorerst nicht.

Möglicherweise schon. Wenn die Bilder in ein Nicht-EU-Land wie die Schweiz gehen sollen, könnte unter Umständen das Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung (KultgSchG) greifen. Das Gesetz besagt, dass Werke, die im „Verzeichnis national wertvolles Kulturgut“ aufgelistet sind, bei Ausfuhr ins Ausland eine amtliche Genehmigung benötigen. Das bayerische Kunstministerium als zuständige Behörde will prüfen, ob Werke aus der Sammlung Gurlitt in das Verzeichnis aufgenommen werden.

Eines natürlichen Todes. Die Staatsanwaltschaft München hatte seinen Leichnam obduzieren lassen. Es gab keine Hinweise auf ein Fremdverschulden. „Die Leiche wird freigegeben“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gestern. „Laut Rechtsmedizin wurde eine eindeutige Todesursache gefunden.“ Im Januar hatte sich Gurlitt einer Herzoperation unterziehen müssen. Gurlitts Anwälte veröffentlichten auf der eigens eingerichteten Internetseite die Mitteilung zum Tod Gurlitts – mit einem Bild brennender Kerzen. Wann der Kunstsammler bestattet werden soll, dazu wollte sich sein Sprecher Stephan Holzinger nicht äußern.

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