Kunstmuseum Bochum widmet sich der russischen Avantgarde

Ausstellung

Vor 100 Jahren in Russland. Das Land ist im Umbruch. Die Avantgarde entwickelt eine neue revolutionär-ungegenständliche Darstellungsweise, fordert eine neue Form des Sehens. "Wir müssen den Schleier von unseren Augen reißen", dieser Satz von Alexander Rodtschenko gab der neuen Ausstellung des Kunstmuseums Bochum seinen Titel.

BOCHUM

, 19.03.2015, 17:47 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kunstmuseum Bochum widmet sich der russischen Avantgarde

Fotografen wie Alexander Rodtschenko (das Bild stammt von 1937) führten den Konstruktivismus mit ihren Mitteln fort.

Es ist ein kurzer, aber entscheidender Ausschnitt der Kunstgeschichte, der sich über 100 Fotografien, Gemälde, Collagen und Zeichnungen aufblättert. Es beginnt 1915, dem Jahr, in dem Kasimir Malewitsch sein berühmtes Schwarzes Quadrat ausstellte. Die Ausstellung zeigt, wie sich bei der russischen Avantgarde Zeichnung, Malerei und Fotografie gegenseitig beeinflussen.

Oktoberrevolution

So führten Fotografen Suprematismus und Konstruktivismus mit ihren Mitteln fort und inspirierten ihrerseits wieder Künstler. Wie sich beispielsweise Rodtschenko auf die abstrakten Bildkompositionen der Maler bezieht, zeigt die Fotografie eines Stabhochspringers, die mit einer suprematistischen Zeichnung von Ilja Tschaschnik korrespondiert.

Man muss sich hineindenken in die Zeit. Die Künstler, die enthusiastisch an eine neue Gesellschaft glauben, werden mit der Oktoberrevolution Meinungsführer, werden Volkskommissare oder Professoren. „Es gibt kaum eine Epoche, in der so über die gesellschaftliche Funktion der Kunst nachgedacht wurde“, sagte Sepp Hiekisch-Picard, stellvertretender Museumsleiter. Die Kunst soll der Zukunft verpflichtet sein. 

Glaube an die Utopie

Der Glaube an die Utopie schlägt sich in den Themen nieder: Alltag, Architektur, Arbeitsleben, der neue Mensch, die Fortschritte der Industrialisierung. Zeichnungen wie Fotografien, die oft durch ungewohnte Bildausschnitte und Perspektiven überraschen, dienen auch der Agitation und Propaganda. Anfang der 1930er-Jahre ändert sich das Klima. Der Sozialistische Realismus ist jetzt gefragt. Die Avantgarde-Künstler werden ins Abseits gedrängt.

Ergänzend zu den Werken aus der Sammlung der Sepherot Foundation Liechtenstein zeigt das Kunstmuseum die eigene, kleine aber feine Sammlung von Malewitsch-Zeichnungen. Sie verweist darauf, dass die Kunst Osteuropas schon zu Zeiten des Eisernen Vorhangs in Bochum präsent war.

, Kortumstraße 147, 22.3. (Eröffnung 11 Uhr) bis 31.5., Di-So 10 bis 17 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr, Katalog 20 Euro.

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