Kunstpositionen nach 1945

Museum Folkwang

Gestische Abstraktion und Minimalimus waren die zwei Hauptströmungen der Kunst im 20. Jahrhundert. Meisterwerke dieser Zeit sind ab heute in einer tollen Sonderausstellung im Essener Folkwang Museum zu sehen.

ESSEN

28.04.2016 / Lesedauer: 3 min
Kunstpositionen nach 1945

Willem de Koonings Arbeit „Untitled XI“ entstand 1982.

Die sehenswerte Schau lässt Werke der Schweizer Sammlung Looser in Dialoge mit Arbeiten aus dem Museum Folkwang treten. In fünf inszenierten Räumen trifft der Besucher auf 19 hochkarätige Gemälde und Skulpturen aus der Sammlung Looser, die 15 ausgewählten Kunstwerken aus dem Museum Folkwang gegenüberstehen.

Surrealismus

Es geht um die Positionen der Kunst nach 1945, aber auch Vorläufer sind zu betrachten. Gilt der Surrealismus doch als eine der Hauptwurzeln der abstrakten Kunst, vor allem der gestischen Malerei. So hängt Yves Tanguys Gemälde "Les amoureux" mit seinen schwebend-amorphen Formen neben einem Dripping von Jackson Pollock und einem abstrakten Bild von David Smith, beides Vertreter des abstrakten Expressionismus, sowie einem Werk mit kleinteiligen Kritzeleien von Cy Twombly, das an die écriture automatique der Surrealisten erinnert.

Die abstrakte malerische Geste steht im nächsten Raum im Mittelpunkt: Gezeigt werden ausdrucksstarke Werke von Willem de Kooning, den beiden Informel-Künstlern Franz Kline und Karl Otto Götz neben Skulpturen von John Chamberlain und Auguste Rodin, dem Vater der Geste in der Plastik. Der Materie, nicht nur von Skulpturen, sondern auch in der Malerei ist ein Raum gewidmet: Lucio Fontana ist mit einem seiner Ritz-Bilder, einem Gemälde mit eingesetzten Steinen sowie einer Kugel-Plastik neben einem goldenen Werk von Yves Klein vertreten.

Minimalismus

In zwei Räumen werden monochrome Arbeiten und Werke des Minimalismus präsentiert. Zwar gehören zur Sammlung Looser neun Mark Rothkos, doch in Essen ist eine sublime Farbfeldmalerei von ihm aus dem Folkwang zu sehen. Dafür gibt es eine Pastellarbeit in Rottönen von Sean Scully, die der Künstler 2013 für den Sammler Hubert Looser anfertigte, eine Papierarbeit mit Ölkreide von Richard Serra, ein schwebend anmutendes Werk von Gotthard Graubner und eine zweiteilige, schwarz-weiße Arbeit von Ellsworth Kelly.

Puristisch ist die Linienarbeit von Agnes Martin, penibel das Zahlenwerk von Roman Opalka, der mit einem feinen, in weiße Farbe getauchten Pinsel die Leinwand mit kleinen Zahlenreihen füllt. Ein weißes Bild von Robert Ryman thematisiert das changierende Licht auf dem Bildträger mit pastosem Farbauftrag.

Museum Folkwang Essen: "Rodin - Giacometti/Pollock - Twombly/Rothko - Serra... Sammlung Looser. Dialoge", bis 30.10.2016, Museumsplatz 1, Di/Mi/Sa/So/Feiertage (auch Pfingstmontag) 10-18 Uhr, Do/Fr bis 20 Uhr, Eintritt frei, Katalog 20 Euro.