Kunstwerk von Mischa Kuball verändert Marl

Blume des Reviers

Eigentlich gilt ja Bochum als "Blume des Reviers". Aber auch Marl hätte diesen leicht ironischen Titel inzwischen verdient. Denn das Kunstwerk "Les Fleurs du Mal" von Mischa Kuball hat angefangen, die Stadt zu verändern – zumindest ein bisschen.

MARL

, 21.11.2014, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

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Zum Kunstwerk mit dem Titel „Les Fleurs du Mal (Blumen für Marl)“ gehört aber auch eine Blumenvase aus Beton, und die hat inzwischen einen festen Freundeskreis. Eine Dame bringt regelmäßig rote Rosen, der Heimatverein krönte die Vase mit einem Herbstbukett (zwei Tage später gestohlen), Paare hinterlassen dort nach der Trauung den Brautstrauß. Das Wasser wechselt der Haustechniker des Skulpturenmuseums Glaskasten aus, das gleich um die Ecke liegt. Das Allerneueste: Die Fraktion der Grünen hinterließ, nachdem der Rat schmerzhafte Einschnitte im städtischen Haushalt vorgenommen hatte, Chrysanthemen mit dem Schild „Wir betrauern die freiwillige Selbstfesselung der politischen Mehrheit“.

All das ist im Sinn des Erfinders. Denn eines der Lebensthemen des Düsseldorfers Kuball, der immer gern in die Schublade „Lichtkünstler“ gesteckt wird, sind die „pulic prepositions“: Er macht Vorschläge für den öffentlichen Raum. „Die Menschen mögen es, wenn jemand nicht jammert, sondern konkret etwas realisiert“, meint er. Umgekehrt ist seine Arbeit aber auch ein Aufruf an die Bürger, sich zu engagieren, die Stadt zu verändern, wenn sie ihnen nicht gefällt. Mit Schulklassen, Azubis und Politikern hat er schon diskutiert, er will „Interventionsenergie“ freisetzen.

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Mit den Ergebnissen ist Georg Elben – der Direktor des Museums Glaskasten hatte Kuball nach Marl geholt – sehr zufrieden: „Das Kunstwerk steht dafür, dass sich in der Stadt etwas tut.“ Im Frühjahr will die Volkshochschule unter dem Label des Kunstwerks Angebote machen, die das Konzept weiterführen. Ganz nebenbei hat die Lichtkunst am Creiler Platz, der so bauhistorisch bedeutsam wie sanierungsbedürftig ist, der Stadt auch internationale Aufmerksamkeit beschert.

Eines wird es am Kunstwerk aber nicht geben: einen aufgemalten Blumenstrauß. Diesen Antrag hat allen Ernstes die FDD-/Bürgerunion-Fraktion der Stadt gestellt. „Das wird nicht kommen“, stellte der Künstler klar. Es würde seinem Konzept wohl auch total widersprechen. Und eines ist klar: Ein Blümchenmaler ist Mischa Kuball nicht.

Mischa Kuball spricht am Mittwoch, 26. November, im Hans-Böckler-Berufskolleg in Marl, Hagenstraße 28, über „Les Fleurs“ in Marl und andere aktuelle Arbeiten. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr.

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