Kurios: Stadt Bocholt kann Schulsicherheit nicht umfassend prüfen

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Wie steht es um die Sicherheit der Bocholter Schulen? Ende Juni wurden Brandschutzmängel am Euregio-Gymnasium bekannt. Doch die Stadt kann nicht alle weiteren Schulen prüfen. Doch warum?

von Stefan Prinz

Bocholt

, 25.08.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie sicher sind Bocholts Schulen? Auf diese Anfrage der Redaktion hat die Stadtverwaltung keine Antwort – seit mittlerweile fast zwei Monaten. Klar ist: Vor Monaten wurde bereits beschlossen, dass alle Gebäude der 25 Schulen in Bocholt auf ihre Sicherheit überprüft werden sollen.

Dazu gehören beispielsweise Rettungswege, Brandmelder, Verkabelung und Stromversorgung. Das Gebäude wird dabei penibel untersucht. „Uns fehlt einfach das Personal, um eine komplette Bestandsanalyse liefern zu können“, erklärt Stadtbaurat Daniel Zöhler entschuldigend auf Nachfrage.

Gravierende Brandschutzmängel existieren

Kurz vor Beginn der Sommerferien Ende Juni hatte diese Prüfung am Euregio-Gymnasium überraschenderweise ergeben, dass dort gravierende Brandschutzmängel existieren. Diese Mängel waren so gravierend, dass die Schule sofort geschlossen werden musste.

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Stadtbaurat Zöhler befürchtet, dass die Überprüfung aller Schulgebäude zum Ergebnis haben wird, dass „erheblicher Handlungsbedarf“ besteht. Das bedeutet: Die Stadtverwaltung bereitet sich bereits auf weitere Mängel vor. Ein erstes Signal über den Zustand von Bocholts Schulen soll laut Zöhler in der morgigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses gegeben werden. Dem wolle er nicht vorgreifen.

Von einem Abriss des Hauptgebäudes wird ausgegangen

Bürgermeister Peter Nebelo (SPD) will dann auch mitteilen, wie es mit dem Gebäude des Euregio-Gymnasiums weitergehen soll. Derzeit wird allgemein von einem Abriss des Hauptgebäudes ausgegangen, weil eine Sanierung dieser rund fünf Jahrzehnte alten Immobilie unverhältnismäßig teuer wäre. 18 Klassenräume fallen durch die Schließung dauerhaft aus – sie mussten durch Container, sogenannte „mobile Gebäudeteile“, ersetzt werden.


Bereits wenige Tage nach der Schließung des Euregios hat das BBV im Rathaus nachgefragt, ob ähnliche Überraschungen auch für andere Schulgebäude in der Stadt zu erwarten sein. Damals wie heute verweist die Stadt auf die laufenden Prüfungen.

Städtisches Personal müsste aufgestockt werden

„Eine komplette Bestandsaufnahme aller Schulgebäude in so kurzer Zeit sei nur möglich, wenn das städtische Personal deutlich aufgestockt würde. Zwar sei seit seinem Start als Baudezernent vor drei Jahren sein Dezernat um ein gutes halbes Dutzend Stellen aufgestockt worden. Aber um innerhalb weniger Wochen eine so umfangreiche Bestandsaufnahme aller Bocholter Schulgebäude zu machen, sei auch das nicht ausreichend.

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In Bocholt gibt es derzeit zehn Grundschulen, zwei Förderschulen, zwei Hauptschulen, zwei Realschulen, vier Gymnasien sowie vier Berufs- und Weiterbildungskollegs.

Wird der Schulentwicklungsplan fortgeschrieben?

In der Stadtpolitik werden derzeit wieder Forderungen laut, den Schulentwicklungsplan für Bocholt fortzuschreiben. Der stammt laut städtischer Internetseite aus dem Jahr 2007, wurde 2013 zuletzt fortgeschrieben und ist damit nicht mehr aktuell.

Möglicherweise hängt die Zukunft eines neuen Euregio-Schulgebäudes davon ab, mit wie vielen Gymnasiasten der Stadtrat künftig rechnet. Eine Entscheidung darüber wird aber erst der neue Stadtrat treffen, der am 13. September gewählt wird.

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