Kurzfilmtage zeigen viele spröde Essays im Wettbewerb

Festival in Oberhausen

Ein Sieger bei den 62. Kurzfilmtagen steht fest: Der MuVi-Preis (2000 Euro) für das beste deutsche Musikvideo geht an Andreas Hofstetter. Sein Clip zu "All Day" von den Drunken Masters feat. Tropkillaz überzeugte durch Ideen, wo "Musik und Bilder in einen Overkill münden, der riesig Spaß macht", so die Juroren. Den mit 1000 Euro dotierten zweiten Preis erhält Guillaume Cailleau für "Organ Movement".

OBERHAUSEN

, 08.05.2016 / Lesedauer: 2 min
Kurzfilmtage zeigen viele spröde Essays im Wettbewerb

Für das Musikvideo „All Day“ hat Andreas Hofstetter den MuVi-Preis gewonnen.

Das Preisrennen anderer Wettbewerbe ist noch in vollem Gang. Unbedingt Preiswürdiges hat man bei der samstäglichen Stippvisite nicht gesehen.

Der vierte Block der internationalen und der zweite der deutschen Konkurrenz boten arg viel spröde trockene Essays, humorfrei, kunstbeflissen. Was die Vermutung nährt, dass "Unterhaltung" von den Auswahlteams des Festivals etwas scheel beäugt wird.

Um das bewerten zu können, müsste man beim Sichtungs-Marathon dabei sein. So bleibt es bei der Annahme.

Ortserkundungen

"The End/Land" vom Kroaten Tomislav Soban ist eine Animation: Bäume im Nebel eines Treibhaus-Klimas, leere Stühle, das geisterhafte Echo von Menschen, gezeichnet im harschen Federstrich eines Horst Janssen. "New Age" von Gavin Hipkins aus Neuseeland zeigt Fotos von englischen Steinkreisen und meditiert ziemlich dröge über Wandel, Spiritismus, Unsterblichkeit.

Ortserkundung mit historischer Dimension betreiben zwei weitere Filme. Sirah Foighel Brutmann und Eitan Efrat besuchen in "Orientation" einen Park in Tel Aviv, der eine Pyramide und eine Kuppel mit Olivenbaum aufweist. Darko Fritz aus Kroatien zeigt in "Zagreb Confidential" eine Trabantenstadt, die am Reißbrett geplant wurde. Sie stand für die sozialistische Moderne, sieht aber heute wie eine Betonsünde aus.

Virtuose Laptop-Ästhetik

"489 Years" aus Frankreich (Regie: Hayoun Kwon) nimmt uns mit in das Niemandsland zwischen beiden Koreas. Eine Animation mit starker Atmosphäre, die die Patrouille von Soldaten nachstellt. In Jelena Markovics "Durch" (deutscher Wettbewerb) driftet eine Frau durch die Hamburger Nacht. Mehr ist nicht zu sagen.

"A Fire In My Brain That Separates Us" von Benjamin Ramirez Perez ist ein Stilübung im Geist des Film Noir, sinn-huberisch in ihren eigenen Kosmos verkapselt. Aykan Safoglus "Ohne Titel" dokumentiert eine Foto-Session, wo der Regisseur ein altes Bild seines Onkels nachstellt. Virtuos in seiner Laptop-Ästhetik.