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Lammert will mehr Gemeinsamkeit im Ruhrgebiet

Gespräch mit Grönemeyer

Am Freitagmittag vereidigte Lammert noch den neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck, am Abend saß er zwar etwas müde, aber entspannt im Technologiezentrum an der RUB bei Dr. Dietrich Grönemeyer. In der Gesprächsrunde "Mensch bleiben" ging es um Lammerts politische Prägung und seine enge Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet.

QUERENBURG

von Von Tim Stobbe

, 25.03.2012 / Lesedauer: 3 min
Lammert will mehr Gemeinsamkeit im Ruhrgebiet

Wünschen sich mehr Einigkeit im Ruhrgebiet: Norbert Lammert und Dr. Dietrich Grönemeyer.

Als Bundestagspräsident kommt Norbert Lammert viel herum, seine Aufgaben führen ihn durch das gesamte Bundesgebiet. Doch immer wieder ist er in seiner Heimatstadt Bochum und im Ruhrgebiet anzutreffen – die Stadt und die Region, denen er im Herzen tief verbunden ist. Eine Passion, die auch Dr. Dietrich Grönemeyer teilt und die in seinen Gesprächsrunden „Mensch bleiben“ thematisiert wird.

Und da die Talkreihe „Mensch bleiben!“ heißt, ging es auch erst einmal um den Menschen Norbert Lammert – seine Schulzeit, das Studium an der RUB, der Beginn seines politischen Wirkens. Ausschlaggebend waren sein politisches Elternhaus und auch ein Lehrer, der, politisch versiert, aber parteilos, Lammert sichtlich prägte: „Wie auch Gauck vertrat er stets die Ansicht, dass man nicht einfach aus Pflichtgefühl wählen sollte. Man muss sich mit der Politik auseinandersetzen.“ Doch schnell lenkte Grönemeyer das Gespräch in weniger angenehme Themenrichtungen. Politikverdrossenheit. Gerade bei jungen Menschen. Doch Lammert intervenierte schnell. Es sei nicht bloß Verdruss gegenüber der Politik und Politikern. „Wir verzeichnen einen großen Vertrauensverlust gegenüber sehr vielen prägenden Institutionen – Politik, Medien, Wirtschaft, sogar Sport“, so der Bundestagspräsident. „Von einem allgemeinen Verdruss zu sprechen, ist zu undifferenziert. Die Beweggründe sind individuell.“

Auch sei seine Generation nicht ausgeprägter politisch gebildet gewesen, erklärte Lammert: „Damals wie heute ist es nur ein kleiner Bevölkerungsteil, der besonders politisch aktiv ist. Die breite Masse begehrt erst auf, wenn ihre vitalen Interessen verletzt werden.“ Einig waren sich Grönemeyer und Lammert im manchmal kritisierten Freiheitsverständnis des neuen Bundespräsidenten. „Man darf nie vergessen, dass dieser Mann nicht frei und demokratisch aufgewachsen ist“, erklärte Lammert. „Mit 50 ging er das erste Mal zu einer freien Wahl. Das prägt.“ Und auch beim Thema Ruhrgebiet herrschte Einigkeit. Beide sähen die Region gerne vereinter, als sie es ist. In gewohnt scharfzüngiger, geistreicher Manier kommentierte Lammert das Klein-Klein der einzelnen Kommunen: „Täten sich alle zusammen und würden eigensinnige Anliegen einem gemeinsamen Ziel unterordnen, könnte die Region zu wahrer Größe in allen Bereichen gelangen.“