Leben und lieben in der Neuen Welt

"Brooklyn" im Kino

Eine junge Frau zwischen zwei Welten: In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft wandert Eilis von Irland nach Amerika aus. In Brooklyn findet sie ihr Glück - doch ein Besuch in der Heimat bringt ihr Leben durcheinander. Nick Hornby schrieb das Drehbuch für großes Gefühlskino, das ganz ohne Kitsch auskommt.

DORTMUND

, 25.01.2016, 14:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Leben und lieben in der Neuen Welt

Tony (Emory Cohen) und Eilis (Saoirse Ronan) am Strand von Long Island.

Saoirse Ronan (wunderbar) spielt die junge Eilis, die auf der grünen Insel keine Zukunft sieht und ein Schiff in die neue Welt besteigt. Zurück lässt sie Schwester und Mutter, denen sie in Briefen voller Heimweh verbunden bleibt. Nach dem Roman von Colm Toíbín (Drehbuch: Nick Hornby) erzählt der Film von Heimat und Fremde, und wie die Fremde zur Heimat wird.

Glückliche Tage in der neuen Heimat

Wie ein verschüchtertes Reh kommt Eilis in Amerika an. Als sie die Einwanderungsbehörde verlässt, öffnet sich eine Tür ins Licht. Das ist symbolisch: Trotz erstem Kummer wird sie glückliche Tage erleben. Sie fasst Fuß in New York, bekommt den Job im Kaufhaus, trifft einen netten Italiener (Emory Cohen) und schmiedet Pläne.

Die Schwermut des Melodrams macht heiteren Tönen Platz. Die Handlung ist bevölkert von gütigen Menschen, die Eilis zur Seite stehen. Der Seelsorger (Jim Broadbent), die Hausmutter ihrer Pension (Julie Walters). Deren Warmherzigkeit und entwaffnende Normalität sorgen für eine Wohlfühl-Note, die den Film aus der Zeit gefallen wirken lässt, ist man doch gewohnt, dass das Kino sich am Absonderlichen delektiert.

Ehrliche Leute

Hier sehen wir einfache, ehrliche Leute, die es gut meinen. Ein Jahr ist Eilis in New York, alles läuft glatt. Wo bitte bleibt der dramatische Zündstoff? Bisher verströmt die Geschichte in etwa das Erregungspotenzial von Magda Trotts "Pucki wird eine glückliche Braut". Dann aber reist Eilis zurück nach Irland. Dort rollt man ihr den roten Teppich aus. Eine Arbeit, ein Verehrer, plötzlich scheint eine goldene Zukunft möglich. Irland oder Brooklyn? Eilis muss sich entscheiden. Jetzt sind wir im Kino der großen Gefühle. Ohne Kitsch, einfühlsam, bewegend und überaus sympathisch.