Lechner-Figuren bevölkern die Innenstadt

Ausstellung

MITTE Den netten Mann von nebenan gibt es jetzt in Beton. Die nette Frau natürlich auch. An acht Plätzen im Stadtzentrum zaubern sie den Passanten ein Lächeln auf die Lippen. Eher aber laden zum Verweilen ein. Zu verdanken ist das der Künstlerin Christel Lechner.

von Von Angela Wiese

, 28.03.2010, 16:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Seit Samstag sind die Figuren Christel Lechners in der Stadt zu sehen.

Seit Samstag sind die Figuren Christel Lechners in der Stadt zu sehen.

Ihre Skulpturenserie "Zu wahr, um schön zu sein" verteilt sich seit Samstag in der Stadtmitte, lädt zu einem Rundgang vom Hauptbahnhof bis zum Landgericht, zum Rathaus und weiter über den Boulevard ein.

Menschen und Emotionen Menschen und Emotionen sind die beherrschenden Themen von Lechners Arbeit.  Nicht besonders schön oder modern, einfach alltäglich wirken die überlebensgroßen, bis zu 160 Kilo schweren Figuren.

Ihre Beobachtungen von Ruhrgebietlern in all ihrer Natürlichkeit verwandelte Lechner in liebenswerte Inszenierungen, ohne sie kitschig oder lächerlich darzustellen. Und die angenehm pummeligen Normalos halten nicht nur manch einem Betrachter den Spiegel vor, sie erinnern gleichzeitig an Vergangenes.

Mit der Inszenierung "Fenster zum Hof" an der Huestraße leistet die Künstlerin, wie sie selbst sagt, ihren "Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr 2010", thematisiert den Strukturwandel. Drei Waschfrauen in Schürzen und gemusterten Röcken sind da zu Gange. Sie hängen weiße Wäsche auf, die schnell ergraut.

Erinnerungen werden wach, an ein von Ruß verschmutztes Ruhrgebiet und an die Probleme, die entstanden, als eine so wichtige Industrie Schritt für Schritt verschwand. Auf den Wäschestücken sind Texte abgedruckt, Ergebnisse einer Recherche in Zeitungen der vergangenen Jahrzehnte.

Ausstellung der besonderer Art Spontan zum Schmunzeln regen dagegen die Duscher auf dem Dach des Kaufhauses Baltz an. "Die duschen da oben", sagt ein Passant lachend beim Anblick dieser Inszenierung zu seiner Begleiterin. Bewacht vom Bademeister rekeln sich die dicklichen Figuren in Bikini und Badeanzug unter den Duschen. Als "Kunstausstellung der besonderen Art" bezeichnete Ottilie Scholz am Samstag bei der Eröffnung auf dem Dr.-Ruer-Platz Lechners Arbeit. Noch bis zum 30. Juni kann sich davon jeder selbst überzeugen.