Lehrer gesteht heimliche Affäre mit Schülerin: „Das ist nicht zu entschuldigen“

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Davon durfte niemand etwas wissen: Monatelang hat sich ein Musiklehrer mit einer seiner Schülerinnen getroffen. Sein Verteidiger spricht vor Gericht von Liebe. Für den Lehrer geht es um alles.

Marl/ Essen/ Gelsenkirchen

, 30.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er war Mitte 40, sie seine Schülerin: Monatelang waren ein Musiklehrer aus Marl und eine angehende Abiturientin ein heimliches Paar. Seit Donnerstag beschäftigt der Fall das Essener Landgericht. Für den Lehrer geht es um alles.

Es war nach den Sommerferien 2017, als alles begann. Erst war es nur ein Kuss, dann ging es ins Bett. „Er hat sich schlicht und einfach in dieses Mädchen verliebt“, so Verteidiger Pierre Laurien zum Prozessauftakt. Von einem rein sexuellen Verhältnis könne aber keine Rede sein. „Man hat auch viel miteinander unternommen.“

„Das ist nicht zu entschuldigen“

Der Angeklagte war Lehrer an einem Gelsenkirchener Gymnasium, hatte die damals 17-Jährige schon länger unterrichtet. Nach dem Tod ihres Vaters war er außerdem ihr Ansprechpartner und Berater. „Sie hat gesehen, dass da jemand ist, der bereit ist, ihr zu helfen“, erklärte der Lehrer den Richtern. Um dann noch leise zu ergänzen: „Dabei hätte ich es belassen sollen.“

Doch genau das ist nicht passiert. Bei gemeinsamen Musikprojekten sei man sich schließlich nähergekommen. „Das ging von beiden Seiten aus“, so der 47-Jährige. Trotzdem wisse er natürlich, dass er eine Grenze überschritten habe. „Das ist nicht zu entschuldigen. Das ist mein Versäumnis.“

Ex-Frau ließ Affäre auffliegen

Es war seine Ex-Frau, die das Verhältnis schließlich auffliegen ließ. Eine Tochter hatte auf dem Handy ihres Vaters entsprechende Hinweise entdeckt. Die Bezirksregierung wurde eingeschaltet, dann übernahm die Staatsanwaltschaft. Als die Polizei im Frühjahr 2019 schließlich beim Angeklagten auftauchte, lag die Schülerin noch in seinem Bett.

Laut Anklage hat der 47-Jährige das Mädchen durch seine Notengebung unter Druck gesetzt. Auffällig dabei: Nach dem Ende der sexuellen Beziehung (befreundet ist man angeblich heute noch) war ihre Musiknote schlagartig von einer 1- auf eine 3+ gefallen.

Durch Noten unter Druck gesetzt?

Dass er seine Stellung als Lehrer ausgenutzt hat – davon will der Marler jedoch nichts wissen. „Ich habe sie unabhängig bewertet“, sagte er den Richtern. Bei ihm gebe es grundsätzlich keine „Gefälligkeitsnoten“. Die Schülerin habe einfach eine schlechte Klausur geschrieben. So sei der plötzliche Einbruch zu erklären.

Das intime Verhältnis soll seit über zwei Jahren beendet sein. Trotzdem sei man noch befreundet, so der Angeklagte. Ihre Anzeige soll die Ex-Schülerin zwischenzeitlich zurückgenommen haben. Neben einer möglichen Bestrafung geht es für den Lehrer auch um ein Berufsverbot.

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