Lehrer ist Bassist bei "Extrabreit"

Achtziger-Jahre-Kultband

Im 37-jährigen Lars Hartmann prallen zwei verschiedene Welten aufeinander. Denn an vielen Abenden des Jahres bearbeitet er seinen Bass, rockt aus voller Brust: "Hurra, Hurra, die Schule brennt", während er tagsüber den Wissensdurst von Schülern löscht. Die Erklärung für diesen Gegensatz ist flott geliefert.

NETTE

von Von Nils Heimann

, 26.03.2012, 05:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Lehrer ist Bassist bei "Extrabreit"

Lars Hartmann legt einen mächtigen Spagat hin: Als Lehrer unterrichtet er ganz seriös Musik, Latein und Religion, in seiner Freizeit spielt er die Bassgitarre bei der Punk-Rock-Band »Extrabreit«.

Denn in der einen Hälfte seines Lebens ist Lars Hartmanns Profession die Lehre – und zwar am Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG) – und in der anderen Hälfte geht er als Lars Larsson mit der Achtziger-Jahre-Kult-Band "Extrabreit" auf Tour. "Naja, natürlich nicht genau zur Hälfte", wiegelt Hartmann ab, "aber so etwa 40 Auftritte absolvieren wir im Jahr schon." Dabei kommt er mit den "Fantastischen Fünf", wie sich die Punk-Rocker auch gerne nennen, in ganz Deutschland rum. "Der Höhepunkt ist aber unsere Weihnachts-Blitz-Tournee (WBT) in Hamburg."

Dort tritt die Band dann auch schon mal vor 1500 Zuschauern auf. "Das ist unglaublich. Auf der Reeperbahn wird man sogar auf der Straße erkannt. Da spürt man, wie es ist, eine Person des öffentlichen Lebens zu sein."  Doch die After-Show-Partys lässt er heute in der Regel ausfallen, versichert der Punker-Pädagoge: "Auch wenn man natürlich noch hofiert wird: Die harten Zeiten sind vorbei. Heute bleibe ich lieber im Hotel, um mich zu regenerieren – und habe immer Arbeiten zum Korrigieren dabei."

Die Schüler gehen mit dem Promi-Status ihres Paukers locker um, reagieren gelassen. "Früher war das schon heftiger, heute kommen meist nur noch Fragen danach, wie die Auftritte waren." Dass Hartmann überhaupt an der Schule arbeitet, verdankt er dem heutigen Schulleiter Detlef von Elsenau. "Als ich mich 2005 bewarb, reichten meine Haare noch bis zum Hintern und ich trug zerrissene Jeans." Das war aber offenbar ein absolutes K.o.-Kriterium für von Elsenaus Vorgänger Busch. Der riet von einem Engagement des Paradiesvogels ab. Doch der Neue ließ sich von der Optik nicht abschrecken, sicherte sich die Dienste des Pädagogen. Und hat damit offenbar alles richtig gemacht. Denn trotz seines interessanten Nebenjobs scheint Hartmann in Nette angekommen: "Das HHG ist meine schulische Heimat. Hier will ich bleiben. Hier will ich alt werden."