Leise und nicht ganz so leise Töne

BOCHUM Zwar ist der Traum Bochumer Symphonie noch nicht Wirklichkeit - der Traum von einem Ort, der Raum schafft für viele Musiker, guten Klang und große Kunst. Derweil ist es gut zu wissen, dass es in Bochum ein paar andere Orte gibt, an denen im Kleinen immer wieder ganz Großes stattfindet.

von von Christine Baro

, 22.06.2008, 16:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Leise und nicht ganz so leise Töne

Wie zum Beispiel in der Stiepeler Dorfkirche, die am vergangenen Wochenende zum dritten Mal Hauptspielstätte des SilentArt-Festivals war.

Verwunschener denn je schien einem der Innenraum, als am Freitagabend die isländische Geigerin und Sängerin Gerdur Gunnarsdóttir und der Schweizer Klarinettist Claudio Puntin darin spielten. Ihr Programm aus Eigenkompositionen und isländischen Volksweisen entpuppt sich als klangliches Crossover zwischen archaisch, experimentell und zeitlos schön. Zur Zugabe kamen sie mitten ins Publikum, mit gedämpfter Geige und den wohl leisesten Tönen, die je aus einer Klarinette drangen - SilentArt par excellence.

Stanzwerk als Spielort

Großer Stolz der Veranstalter ist es, das Stanzwerk als Spielort hinzugewonnen zu haben. In der Tat - der Ort ist fantastisch, doch der Umzug organisatorisch offenbar noch nicht ausgereift: Eine halbe Stunde später als geplant kann das Konzert dort erst beginnen, die Wartezeit bis dahin droht im schummrigen Kerzengeflacker vom Meditativen in wahlweise Ungeduld oder Tiefschlaf abzurutschen, mit dem es dann aber ab Minute fünf mit dem "ganelin trio priority" schlagartig vorbei ist: Eine Stunde nonstop gibt es Jazz der Marke "Muss man mögen" - zweifellos virtuos, weitgehend frei von Rhythmik und Tonalität und vor allem laut.

Ja, auch beim SilentArt-Festival sollte man sein Ohropax nicht vergessen, wenn man am nächsten Festivalabend wieder leise Töne hören will.

Zum Beispiel die der jungen litauischen Sängerin André, die am Samstagabend ihr Programm "Elements" vorstellte. Erdig warm und tief kann ihre Stimme klingen, in Loops vervielfacht sich feurig überlodern und im nächsten Moment ganz luftig und leicht ins Mikrophon wehen. Sphärisch.