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Letzte Hürde für Intendant Johan Simons

Rat muss zustimmen

Johan Simons wird 2018 neuer Intendant des Schauspielhauses – oder doch nicht? Eine allerletzte Hürde ist noch zu nehmen: Der Rat der Stadt muss dem Vertragswerk zustimmen, das Kulturdezernent Michael Townsend mit Simons ausgehandelt hat. Eine Kondition ist die Erstattung der Tariferhöhungen.

BOCHUM

, 11.02.2016 / Lesedauer: 3 min
Letzte Hürde für Intendant Johan Simons

Der niederländische Intendant der Ruhrtriennale, Johan Simons, soll 2018 neuer Intendant des Schauspielhauses Bochum werden.

Als Anselm Weber im vergangenen Frühjahr seine vorzeitige Vertragsauflösung in Bochum und den Weggang nach Frankfurt verkündete, nannte er vor allem einen Grund für seine Entscheidung: Die Deckelung der Personalkosten von Seiten der Stadt Bochum. Weber befürchtete, dass das Schauspielhaus als städtische Tochter alle künftigen Tarifsteigerungen (in der Regel bis zu zwei Prozent pro Jahr) selbst refinanzieren müsse. Und sparen könne man nach dem Abbau von 22 Stellen nur noch im künstlerischen Bereich.

Nicht kaputt sparen

„Anselm Weber hat mich nie gefragt, ob wir eine Übernahme der Tarifsteigerungen vertraglich vereinbaren können“, sagt Kulturdezernent Michael Townsend (Foto). Er habe ihm jedoch immer gesagt, dass er sich nicht vorstellen könne, dass die Stadt eine Kulturinstitution mit einem derartigen Renommee einfach kaputt spare.

Der aktuelle Ruhrtriennale-Intendant Johan Simons wollte bei diesem Thema offenbar auf Nummer sicher gehen und machte die Erstattung von Tarifsteigerungen bis zwei Prozent zum Vertragsgegenstand.

Umschichtungen?

Der Rat der Stadt muss der Bestellung des Intendanten noch zustimmen – und auch den Konditionen, zu denen er sein Engagement in Bochum antritt. Dass der Rat die Bestellung ablehnt, ist nahezu undenkbar: Die Personalie Johan Simons wurde vergangene Woche landauf landab als überraschende Neuigkeit verkündet und äußerst positiv bewertet. Möglich wäre allerdings, dass Townsend die Erstattungen der Tariferhöhungen im Schauspielhaus durch Umschichtungen innerhalb des städtischen Kultur-Haushalts erreichen muss.

In den Tenor der positiven Bewertungen der Personalie Johan Simons grätschten FDP und Stadtverwalter mit Kritik: „Wenn er seine Intendanz antritt, wird er 72 Jahre alt sein, bis zum 77. Lebensjahr soll er das Schauspielhaus führen. Da wird sich erweisen müssen, ob er nötigen Schwung über die ganze Zeit hochhalten kann“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Eine Personalentscheidung, die in die Zukunft weist, ist der Beschluss sicherlich nicht.“

Skeptische Stimmen

Auch im Schauspielhaus-Ensemble, das sich kurz vor der Intendanten-Kür mit einem Brandbrief an Townsend gewandt hatte, gibt es skeptische Stimmen. Sie beziehen sich vor allem auf die Tatsache, dass Johan Simons das Theater zu einem Netzwerk mit den Häusern in Gent und Rotterdam zusammenschließen will: Es sei zu befürchten, dass die Bochumer Bühne ihre Eigenständigkeit verliere und zu einer „Spielstätte“ werde.