Letzte Sprechstunde beim Schulleiter

Hauptschule Westerfilde

Nach 50 Jahren schließt die Hauptschule Westerfilde. Der letzte Jahrgang hat gerade seinen Abschluss gemacht, das Gebäude wird abgerissen. Schulleiter, Lehrer, Eltern und Schüler trauern um die Schule, an der sie jahrelang einen Großteil ihres Tages verbrachten.

WESTERFILDE

, 06.07.2017 / Lesedauer: 3 min
Letzte Sprechstunde beim Schulleiter

Oliver Dege leitete die Hauptschule seit Februar 2016 kommissarisch und bekam dabei „Lust auf Schulleitung“. Er hat sich auf eine Stelle in Iserlohn beworben.

Seine Bürotür stand immer offen. Für Schüler, Kollegen, Eltern. Auch beim Pressegespräch mit dem kommissarischen Schulleiter Oliver Dege zum Aus der Hauptschule Westerfilde nach exakt 50 Jahren ist das nicht anders. 

Eine Mutter schneit zwischendurch hinein, eine ehemalige Kollegin – und Lehrer Peter Schleimer, der nach 35 Jahren zum Ende des Schuljahres in Pension gehen wird. Unbeabsichtigt bestätigen sie alle das, was der Schulleiter gerade erzählt: die kollektive Betrübnis darüber, dass es die Hauptschule bald nicht mehr geben wird. Und noch schlimmer: dass das Gebäude sogar abgerissen wird.

Kein Ort zum Zurückkehren

„Es gibt für uns keinen Ort zum Zurückkehren. Um alte Kollegen zu treffen zum Beispiel, das wird eigenartig. Die Schüler wird es noch schlimmer treffen. Für viele ist das hier ein Zuhause, da bricht was weg“, sagt Peter Schleimer. Denn die Schule, sie sei stets ein sozialer Treffpunkt gewesen – für aktuelle und ehemalige Schüler und Mitarbeiter. Sogar der frühere Rektor Klaus Bahn habe sich immer mal wieder blicken lassen. „Niemand ist verbittert, aber alle sind traurig.“ So fasst Oliver Dege die gegenwärtige Gefühlslage zusammen. Denn: Klaus Bahn sei es gelungen, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, die bis heute alle mit einbezieht.

Jahrgangsweise abgebaut

Das Ende der Hauptschule Westerfilde kommt nicht überraschend. Als 2011 die damaligen Fünftklässler aufgenommen wurden, stand bereits fest: Sechs Jahre später werden sie der letzte Jahrgang der Schule sein. Denn für Dortmunds erste Sekundarschule, die heutige Reinoldi-Schule, wurde das Schulzentrum Westerfilde als Standort auserkoren. „Das war allgemeiner Konsens“, sagt Oliver Dege. Ein Ratsbeschluss sicherte der Hauptschule aber zu, dass die Schule jahrgangsweise abgebaut wird.

Und so kam es, dass es 2016/17 nur noch 42 Schüler gab. Sie alle hätten Angst gehabt, dass das Schulleben nach und nach wegbricht und stirbt, verrät Oliver Dege. Aber das Gegenteil sei der Fall gewesen. Mit fünf Vollzeit-Lehrern sei tatsächlich ein reibungsloser Schulbetrieb gelungen. „Keine kranken Lehrer, kein Unterrichtsausfall, kein Stress“, fasst Dege zufrieden zusammen. Positiver Nebeneffekt: „Wir sind in den vergangenen beiden Jahren noch enger zusammengewachsen.“

Die letzte Lehrerkonferenz

Am vergangenen Freitag (29. 6.) haben die Schüler ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Am kommenden Freitag ist mit allen Mitarbeitern, auch ehemaligen, noch ein Abschiedsfest geplant. Die „letzte Lehrerkonferenz“ nennt es Oliver Dege. Irgendwann wird dann das große Räumkommando in die Schule einfallen. Aber nicht alles, so Dege, soll auf der Deponie oder im Schredder landen. Einen Teil des Inventars wird die Sekundarschule übernehmen und an andere Hauptschulen verteilt.

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