Letzter Jahrgang schließt 2017 ab

Opel-Ausbildung

Erstmals seit über 50 Jahren stellte Opel Bochum in diesem Jahr keine neuen Auszubildenden ein. Opel-Sprecher Alexander Bazio stellt klar: „Der Standort Opel Bochum wurde Ende 2014 geschlossen.“ Wie es mit der traditionsreichen Berufsausbildung weitergeht, ist unklar.

BOCHUM

10.10.2015, 09:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Letzter Jahrgang schließt 2017 ab

Ob es in Zukunft mit der Ausbildung weitergeht, ist zurzeit unklar. Eine Ansiedlung eines neuen Berufsbildungszentrums, beruhend auf den Erfahrungen des Joint Venture, auf dem ehemaligen Opel-Gelände ist Teil der Gespräche.

Es fehle nach der Schließung die Grundlage für eine Fortsetzung der bisherigen Berufsausbildung, heißt es bei Opel. 2017 verlassen die letzten Jung-Opelaner das gemeinsame Ausbildungszentrum des TÜV Nord und der Adam Opel AG. Dass die langjährige Tradition anderweitig fortgesetzt werden soll, betont Bazio im Gespräch mit unserer Zeitung: „An einer Überführung in eine Lernfabrik wird gearbeitet, aber es gibt keine konkreten Ergebnisse.“

Diskrepanzen aber gibt es über die Art und Weise der Fortführung. „Der Betriebsrat fordert, dass etwas Zukunftsweisendes aufgebaut wird, und zwar nicht nur für Opel, sondern für alle Industrieunternehmen“, sagt Murat Yaman, Betriebsratsvorsitzender des Warenverteilzentrums und der Berufsausbildung. Ziel müsse es sein, neue Produktionsindustrie an den Standort Bochum zu locken.

Opel habe, so Yaman weiter, auch eine soziale Verantwortung für die Region. Dieser will sich der Konzern nach eigenen Aussagen auch stellen. „Wir haben den Auszubildenden 2014 garantiert, dass sie ihre Ausbildung abschließen können, obwohl das Werk geschlossen ist“, sagt Bazio.

Klar ist: Im Sozialtarifvertrag ist verankert, dass Wissen und Erfahrung des Joint Ventures – gemeinsames Berufsbildungszentrum des TÜV Nord und der Adam Opel AG – überführt werden sollen. Beispielsweise in die 2009 gegründete Lernfabrik an der Ruhr Universität Bochum (RUB). „Es laufen intensive Gespräche, wie auf welche Weise die Berufsausbildung auch über das Jahr 2017 nachhaltig fortgesetzt werden kann“, sagt Professor Manfred Wannöffel gegenüber den Ruhr Nachrichten. Der Wissenschaftler ist geschäftsführender Leiter der gemeinsamen Arbeitsstelle IG Metall/RUB.

Opel lehnt Forderung ab

Im November soll es dazu einen Workshop geben, an dem Vertreter der RUB, der IG Metall, Opel und wissenschaftliche Experten vom Bundesinstitut für Berufsbildung beteiligt sind. Auch weitere Hochschulen und Universitäten könnten eingebunden werden. „Wir verbinden die akademische mit der dualen Ausbildung“, sagt Wannöffel. Auch eine Ansiedlung auf dem ehemaligen Opel-Gelände sei denkbar.

Eine Eingliederung allein reicht dem Bochumer Betriebsrat allerdings nicht. „Der Eigenbedarf an jungen Fachkräften soll mit einer eigenen Berufsausbildung abgedeckt werden“, so Yaman. Im Klartext: Der Betriebsrat fordert eine gezielte Ausbildung für das Warenverteilzentrum. Opel-Sprecher Bazio lehnt derartige Forderung ab: „Für das Warenverteilzentrum ist keine separate Berufsausbildung geplant.“

Für Bochum und das gesamte Ruhrgebiet wäre eine Einigung der nächste wichtige Schritt, um den Wirtschaftsstandort attraktiver zu gestalten. Noch aber ist ein erfolgreicher Abschluss Zukunftsmusik.