"Leute fluten ihren Keller für Krokodile"

Interview

Einzeltäter oder organisierte Banden - wer stiehlt Tiere aus Zoos? Und an wen werden die Exoten anschließend verkauft? Wir haben Franz Böhmer gefragt. Er ist Artenschutzexperte beim Bundesamt für Naturschutz.

NRW

, 20.11.2015, 09:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Artenschutzexperte Franz Böhmer während eines Vortrags

Artenschutzexperte Franz Böhmer während eines Vortrags

Handelt es sich bei den Tierdieben eher um Einzeltäter oder um organisierte Banden?

Das wissen wir nicht, weil die Täter nur sehr selten ermittelt werden. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Tiere gezielt und mit Auftrag gestohlen werden. Die Diebe wissen, wo sie hinmüssen und haben Artenkenntnis.

In Krefeld und Dortmund wurde zuletzt offenbar gezielt das Zuchtpaar der jeweiligen Affenart aus dem Zoo gestohlen. Wie erkennt man denn als Dieb überhaupt, welche Tiere man mitnehmen muss?

Das ist gar nicht so leicht, da muss man wirklich Ahnung haben. Krallenäffchen sehen sich schrecklich ähnlich. Eine Möglichkeit ist folgende: In den Zoos hängen ja oft Ahnentafeln, auf denen die einzelnen Äffchen abgebildet sind und erklärt wird, wer welche Nachkommen gezeugt hat. Eine andere Möglichkeit: Die Diebe können den Transponder, also den Kennzeichnungschip der Tiere, auslesen. Dazu muss man natürlich über ein entsprechendes Lesegerät verfügen. Die sind aber frei verkäuflich.

An wen lassen sich solche gestohlenen Exoten denn überhaupt verkaufen?

Da die Tiere normalerweise mit Hilfe eines Chips eindeutig zu identifizieren sind, kommen dafür eigentlich nur private Sammler in Frage. Liebhaber exotischer Tiere gibt es auf der ganzen Welt, auch in Deutschland.

Für solche Tiere brauche ich doch aber ganz schön viel Platz, oder?

Das kommt drauf an. Krallenäffchen zum Beispiel sind sehr klein und brauchen gar nicht so viel Platz. Und Sie glauben ja gar nicht, wie viele Leute in der Lage sind, ihren Tieren richtig tolle Gehege zu bauen. Da fluten Leute ihren gesamten Keller für ihre Krokodile. Oder ein Beispiel aus NRW: In der Nähe von Bonn hält jemand Pfeilgiftfrösche in einer Art Gewächshaus.

Krokodile im Keller und Pfeilgiftfrösche im Gewächshaus? Das kann doch nicht legal sein.

Das kommt darauf an, wo Sie wohnen und wie Sie die Tiere halten. In NRW zum Beispiel gibt es aktuell kein Gefahrtiergesetz. Bedeutet: Solange ich die Tiere artgerecht halte und nachweisen kann, dass die Tiere legal erworben wurden, kann ich im Grunde halten, was ich will. Auch ein Krokodil.