Liebesdrama in einer kühlen Kisten-Welt

Ruhrfestspiele

Seit Jahren gehören die Ballett-Aufführungen zu den Höhepunkten der Ruhrfestspiele. Nach dem Eifman State Ballett hat Festivalchef Frank Hoffmann 2015 das Malandain Ballett Biarritz entdeckt. Und nach ihrem sensationellen "Nocturnes"-Abend kehrten die Franzosen am Montag mit einem ebenso großartigen Handlungsballett ins Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen zurück.

RECKLINGHAUSEN

, 17.05.2016, 13:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Liebesdrama in einer kühlen Kisten-Welt

Romeo und Julia zwischen Metallkisten

"Roméo et Juliette" zur "Symphonie dramatique" von Hector Berlioz ist kein klassisches Handlungsballett. Thierry Malandain hat es als Kaleidoskop für acht Paare choreografiert.

Es gibt die Schlüsselszenen der Shakespeare-Geschichte wie die Balkonszene, den Kampf zwischen Mercutio (großartig artistisch im Todeskampf: Arnaud Mahouy) und Tybalt (Daniel Vizcayo) und natürlich die Todesszene. Die Kernmomente der Geschichte verstärkt der französische Choreograf: Da tanzen dann acht Romeos und acht Julias - in dieser vortrefflichen Compagnie kann jeder ein Solist sein.

Rückblende

Malandain erzählt die berühmte Liebesgeschichte bei den Ruhrfestspielen in einer Rückblende: Die Paare liegen leblos auf 16 Metallkisten vor einer weißen Wand. Pater Lorenzo gesteht, dass er Romeo und Julia heimlich getraut hat; ein Prinz erweckt die Paare zum Leben.

Die stapelbaren Kisten, die die Tänzer immer wieder neu arrangieren, bleiben die einzigen Bühnenbild-Versatzstücke und Requisiten; sie sind Kleiderkisten und Totenbett und ein sehr schönes Symbol dafür, dass sich Liebe auch in einer kalten Welt Platz schaffen kann.

Raumgreifende Ensembleszenen

Anfangs tanzt die Compagnie viel auf den Kisten und um sie herum; später schafft Malandain in seiner fantasievollen, sehr ästhetischen Choreografie mehr Platz für tolle, raumgreifende Ensembleszenen.

Claire Lonchampt und Raphael Canet tanzen die Titelpartien mit hinreißend geschmeidigen Bewegungen in Malandains modernem Ausdruckstanz. Die anderen sieben Paare (in der Originalchoreografie sind es insgesamt neun Paare) spiegeln die Pas-de-deuxs - bewusst nicht synchron, mit minimalen Ausdrucks- und Bewegungsvarianten. Das ist großartig und spannend anzuschauen und hat bei Malandain auch in der Tragik manchmal kecken Witz. Wundervoll!

Letzte Vorstellung: 17. Mai 2016