Litanei für den Wal war lebendige Gehörbildung

Ruhrtriennale

Als würde der leere Raum selbst sprechen erklang John Cages "Litanei für den Wal" am Donnerstag (15.9.) in der Jahrhunderthalle Bochum. Als Kernstück eines Programms, das das weltberühmte Hilliard Ensemble extra für den Buddhismus-Schwerpunkt der Ruhrtriennale zusammengestellt hat.

BOCHUM

von Von Max Florian Kühlem

, 16.09.2011, 17:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Litanei für den Wal war lebendige Gehörbildung

Der japanische Flötenspieler Tadashi Tajima.

Das britische Vokalensemble ist beim Publikum so beliebt, dass es bei der Triennale nicht nur zwei Programme, sondern auch noch eine Zusatzvorstellung von "In Paradisum" aufführen konnte. Allesamt ausverkauft. Und das, obwohl es den Zuhörern zumindest beim Abend "Litany For The Whale" keineswegs leicht gemacht wird.Meditation über das Wort "Wahle" Das Konzert mit Werken Neuer Musik, teils von Zeitgenossen extra für das Sänger-Quartett komponiert, ist lebendige Gehörbildung. John Cages Komposition ist eine knapp halbstündige, zweistimmige Meditation über das Wort "Whale" ("Wal"), das wie ein Mantra wieder und wieder, Buchstabe für Buchstabe gesungen wird. Die Jahrhunderthalle liegt dabei im Halbdunkel, die Stimmen fragen und antworten aus unbestimmtem Nirgendwo.Klang und Bedeutung der Worte Auch in Luca Belcastros "La Voce delle Creature" und Ken Uenos "Shiroi Ishi" werden Klang und Bedeutung der Worte selbst zum Thema. Das Hilliard Ensemble singt diese musikalischen Meditationen über Gottes Schöpfung und den Tod nicht nur, es flüstert sie, zischt, summt, atmet, gibt den Zwischentönen Raum. Perfekte Aufführungen ungemein komplexer Kompositionen sind das.

Dazwischen lauscht das aufmerksame Publikum dem Japaner Tadashi Tajima, der die traditionelle Kunst des Shakuhachi-Spiels beherrscht. Die Musik auf der Bambusflöte, mündlich überliefert, wirkt wie avantgardistische Klangexperimente, ist als "Brücke zur Erleuchtung" gedacht.

  

Lesen Sie jetzt