Literaturnobelpreis geht an Swetlana Alexijewitsch

Engagierte Weißrussin

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch (67). Das gab die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm bekannt.

STOCKHOLM

von Von dpa

, 08.10.2015, 12:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Literaturnobelpreis geht an Swetlana Alexijewitsch

Swetlana Alexijewitsch hofft auf Frieden im Osten.

„Für ihr vielstimmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“, bekommt die Autorin Swetlana Alexijewitsch den Literaturnobelpreis. Das gab die Schwedische Akademie am Donnerstagmittag - wie immer pünktlich um 13 Uhr - in Stockholm bekannt. Alexijewitsch ist erst die 14. Frau, die die Auszeichnung gewinnt, die als wichtigster Literaturpreis der Welt gilt. Die Weißrussin hatte 2013 bereits den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten und galt schon seit Tagen als heiße Kandidatin.

„Das ist ganz groß, diesen Preis zu bekommen“, sagte Alexijewitsch dem schwedischen Fernsehsender SVT am Donnerstag kurz nach der Verkündung am Telefon. Es sei eine Ehre, in einer Reihe mit großen Schriftstellern wie Boris Pasternak zu stehen. Auf die Neuigkeit, die ihr Nobel-Jurorin Sara Danius per Telefon überbracht hatte, habe sie mit dem Wort „fantastisch“ reagiert, hatte Danius zuvor berichtet.

Journalistin und Lehrerin

Swetlana Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine geboren als Tochter eines weißrussischen Vaters und einer ukrainischen Mutter. Später siedelte die Familie in das Heimatland des Vaters über. Nach dem Journalistikstudium an der Universität Minsk von 1967 bis 1972 arbeitete Alexijewitsch zunächst als Journalistin und als Lehrerin.

Ihrem ersten Buch von 1985, „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“, liegen Interviews mit Frauen zugrunde, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatten. Die collageartige, auf biografisches Material gestützte Arbeitsweise wurde zu einem Kennzeichen ihres Schaffens. Die Folgen der Kernenergiekatastrophe in Tschernobyl im Jahr 1986 ist das Thema von „Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft“; „Zinkjungen - Afghanistan und die Folgen“ schildert den Krieg der Sowjetunion in Afghanistan. Ihr bisher letztes Buch ist „Secondhand-Zeit - Leben auf den Trümmern des Sozialismus“.

Im vergangenen Jahr hatte die Schwedische Akademie den Franzosen Patrick Modiano (70) geehrt. In diesem Jahr waren laut Nobeljuror Peter Englund knapp 200 Autoren für den weltweit wichtigsten Literaturpreis nominiert, 36 von ihnen zum ersten Mal.

Friedensnobelpreis folgt am Freitag

Seit Anfang der Woche haben Jurys in Stockholm schon Nobelpreise für Medizin, Physik und Chemie verkündet. Am Freitag gibt das Osloer Nobelkomitee den diesjährigen Friedensnobelpreisträger bekannt. Wegen ihres Engagements in der Flüchtlingsfrage könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel den prestigeträchtigen Preis nach Einschätzung von Friedensforschern bekommen.

Wie die anderen Auszeichnungen ist der Literaturnobelpreis mit acht Millionen Kronen (etwa 850 000 Euro) dotiert. Alle Preise werden am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, verliehen.