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Lockpicker öffnen Schlösser ohne Schlüssel

Außergewöhnliches Hobby

BOCHUM Ihnen stehen alle Türen offen. Lockpicker öffnen Schlösser ohne Schlüssel: Das Schloss bleibt unversehrt. Aber schwarze Schafe haben keine Chance. Denn was nach Einbrechertraining klingt, ist Kunst und Sport zugleich.

von Von Christian Rothenberg

, 15.01.2010

André Matuschek hat seine Ausrüstung schon ausgebreitet: Schlösser, Schlüssel, Feilen und Draht-Werkzeuge, die "Picks" genannt werden und an Zahnarzt erinnern. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder des Labors zum Lockpicking: Schlösser knacken. Natürlich rein sportlich motiviert.

So lange es Schlösser gibt, versuchen Menschen sie zu öffnen. "Meist ging's dabei ums Klauen", sagt Matuschek. "Aufbrechen kann jeder. Schwierig ist, dabei nichts zu zerstören." Das Hobby ist nützlich. "Wenn ich den Schlüssel vergesse, brauche ich keinen Schlüsseldienst." Es spricht sich herum. Neulich habe ihn ein Nachbar mitten in der Nacht angerufen. Er hatte sich ausgeschlossen.

Schloss entriegeln Der 28-Jährige nimmt ein Schloss und führt einen Spanner - er simuliert das Drehen des Schlüssels - in den Schlosszylinder ein, um den Kern auf Spannung zu halten. Dann stochert er mit einem Haken so lange im Innern des Schlosses, bis die Stifte darin so platziert sind, dass es entriegelt.Chaos Computer Club

Lockpicking kommt aus den USA. Einer der Gründer des Chaos Computer Clubs - einer Gruppe von Hackern - brachte es vor zwölf Jahren nach Deutschland. Schnell gründeten sich Vereine. "Hier kann man sich austauschen, einander Tipps geben." Eine weitere Disziplin ist die Impressionstechnik: Für ein bestimmtes Schloss muss man dabei den passenden Schlüssel erstellen. Nur mit einer Feile und einem Schlüsselrohling.

Militärischer Sicherheitsgrad Seit der ersten Stunde gibt es auch Wettkämpfe. Die 20 besten Lockpicker der Welt kommen aus Deutschland. Innerhalb von Sekunden öffnen sie hochwertige Schlösser, teilweise mit militärischem Sicherheitsgrad. Es gilt: je teurer das Schloss desto besser. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften wurde Matuschek Dritter.

Es füllt sich in der Runde: Frank Sturm packt den Werkzeugkoffer aus und grinst. "Ich hab es aufbekommen", sagt er. Beim letzten Treffen hatte ihm einer aus der Gruppe ein Schloss mitgegeben. Als Hausaufgabe. 20 Stunden brauchte der 61-jährige. "Das lässt dir keine Ruhe, denn du weißt ja, dass es gehen muss." Ein Otoskop und eine Vergrößerungsbrille gehören zu seiner Ausstattung. Ihn reizt es, "den Schwachpunkt zu finden in schwer überwindbaren Dingen".

Unterschrift unter Ehrenkodex Ein polizeiliches Führungszeugnis braucht man nicht. Nur eine Unterschrift unter den Ehrenkodex ist vor der Teilnahme nötig. Illegale Zwecke dürfen nicht verfolgt, das Ansehen des Vereins nicht beschädigt werden. Wer fragt, wie man Schlösser an Zigarettenautomaten knackt, fliegt raus.Lockpicker helfen Landeskriminalämtern

Der bundesweite Verein Sportsfreunde der Sperrtechnik (SSDev) hilft sogar Landeskriminalämtern. "Die geben uns spurenfreie Schlösser, wir öffnen sie", verrät Matuschek. "Dann analysieren sie die Spuren und erstellen einen Leitfaden für Kriminaltechniker."

"Einbrechen geht anders viel schneller" Skeptischer gegenüber der allgemeinen Sicherheit ist Matuschek nicht. "Einbrechen geht anders viel schneller." Um Lockpicking zu können, brauche es jahrelanges Training. Wie beim Golfen. "Man braucht Feingefühl." Manfred Bölker, der Weltranglistenerste aus Hamburg, ist Zahnarzt.Die Labor-Mitglieder frönen der gemeinsamen Leidenschaft für Elektronik. Sie löten, programmieren, versuchen Neues und Sinnvolles zu gestalten. „Wir sind ein Bastlerverein“, sagt Dennis Knorr. Seit Herbst gehört Lockpicking zum Themenkreis.  www.das-labor.org