Löwenmädchen hat tränenfeuchte Momente

Im Kino

Eine Außenseiterballade in schönen Bildern. Im Stil der Jahre 1912 bis 1936 ausgestattet, vom Ton her ein Melodram: Die Verfilmung von Erik Fosnes Hansens Roman „Das Löwenmädchen“ ist keine cineastische Offenbarung (weil behäbig konventionell erzählt), aber doch gediegenes Unterhaltungskino mit einem Funken Anspruch hinter tränenfeuchten Momenten.

18.09.2017, 13:45 Uhr / Lesedauer: 1 min
Löwenmädchen hat tränenfeuchte Momente

Löwenmädchen Eva Arctander (Mathilde Thomine Storm), genießt die Ruhe am Wasser. Foto: Christine Schröder/NFP - Filmpresskit

Dem Bahnhofsvorsteher Gustav (Rolf Lassgard) wird eine Tochter geboren, die Mutter stirbt. Was ihn zusätzlich schockiert, ist das Aussehen des Kindes: Überall Haare, im Gesicht und am Körper.

Eva ist Trägerin eines seltenen Gen-Defektes, was ihr den Spitznamen „Löwenmädchen“ einbringen wird. Die Arbeit an der Maske muss Stunden gedauert haben, das Mädchen sieht etwa so aus wie die Bestie in „Die Schöne und das Biest“.

Vater-Tochter-Beziehung

Der Film von Vibeke Idsoe (Regie und Drehbuch) beschreibt eine Vater / Tochter-Beziehung mit Hindernissen: Erst lehnt der Alte das Kind ab. Er engagiert eine Amme, die auch seine Haushälterin wird. Gustav ist streng, ganz Mann seiner Zeit, aber kein Unmensch.

Später lässt er mehr Nähe zu, achtet jedoch darauf, das Kind vor der Welt abzuschirmen, weil er Getuschel fürchtet. Nicht zu unrecht. Die Leute gaffen und zerreißen sich das Maul.

Kluges Mädchen

Eva (als Jugendliche: Mathilde Thomine Storm) wächst trotzdem zu einem klugen Mädchen heran, das seine Erfahrungen macht. Sie verliebt sich in einen Mitschüler, wird vor Medizinern zur Schau gestellt, lernt Kummer wegzustecken. Sie reist mit dem Wanderzirkus eines Impresarios (Burghart Klaußner), der als „Freakshow“ Liliputaner und einen Echsenmann (Ken Duken) präsentiert. Schließlich lehrt Eva Mathematik an der Sorbonne.

Solide gespielt, etwas bieder inszeniert, aber die Moral ist gut dosiert, und rührend menschlich wird es auch.