Lohnausgleich wegen Kurzarbeit in Bocholts Tochtergesellschaften

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Die städtischen Tochtergesellschaften BEW, die Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketinggesellschaft und Ewibo zahlen ihren Mitarbeiter in der Coronakrise freiwillig mehr Geld. Nicht ohne Grund.

von Stefan Prinz

Bocholt

, 01.07.2020, 14:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kurzarbeitergeld beträgt für Arbeitnehmer eigentlich 60 Prozent des Nettolohns (67 Prozent für Arbeitnehmer mit Kindern). Für die Beschäftigten der städtischen Tochtergesellschaften in Bocholt fällt dieses Minus deutlich geringer aus als bei den meisten anderen Arbeitgebern in der Stadt.

Bei der BEW betrifft die Kurzarbeit ganz wesentlich nur die Bocholter Bädergesellschaft, zu der das Bahia und das Fildekenbad gehören. Bei den 44 Mitarbeitern im Freizeitbad Bahia zahlt die BEW sogar den vollen Nettolohn, also 100 Prozent.


Das gilt auch für diejenigen Mitarbeiter, die in den vergangenen drei Monaten nicht gearbeitet haben. Dadurch entstanden dem Unternehmen rund 60.000 Euro Mehrkosten, so Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Elmer gestern auf Nachfrage.

Soziale Härtefälle unerwünscht

Die Aufstockung im Bäderbereich betreffe im Wesentlichen Mitarbeiter unterer Lohnstufen. „Eine Reduzierung ihres Gehalts um bis zu 40 Prozent hätte in den meisten Fällen zu sozialen Härten geführt, die wir als Arbeitgeber nicht verantworten wollten“, begründet Elmer die Zusatzzahlungen.

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Die Wirtschaftsförderungs- und Stadtmarketinggesellschaft hat die Corona-Krise besonders hart getroffen. Die Stadt musste der Gesellschaft sogar mit einem Zuschuss in Höhe von 450.0000 Euro aushelfen, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Dennoch zahlt die Gesellschaft ihren Mitarbeitern freiwillig 90 Prozent des Nettogehalts.

Aufstockung des Kurzarbeitergeldes

Geschäftsführer Ludger Dieckhues hält das für eine richtige Entscheidung: „Meine Mitarbeiter haben in den letzten Jahren immer an der Kapazitätsgrenze und darüber hinaus gearbeitet“, betont er. „Also habe ich mich – trotz aller finanziellen Engpässe – dafür stark gemacht, dass das Kurzarbeitergeld aufgestockt wird – wie in den meisten anderen Kommunen und kommunalen Betrieben in Deutschland auch.“


Und auch die Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft der Stadt Bocholt (Ewibo) stockt das Kurzarbeitergeld auf bis 95 Prozent des Nettoentgelts auf. Deren Geschäftsführer Berthold Klein-Schmeink, verteidigt diese Maßnahme: „Gerade in den unteren Gehaltsbereichen stellt ein Kurzarbeitergeld von 60 Prozent beziehungsweise 67 Prozent des berücksichtigungsfähigen Nettoentgelts eine zum Teil existenziell bedeutsame Minderung dar“, betont Klein-Schmeink. „Die Ewibo ist auf ihre Beschäftigten in guten, aber auch in schwierigen Zeiten angewiesen.“

Engagement der Beschäftigten verdient Respekt

Die Geschäftsführung habe in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat im Rahmen der Möglichkeiten der Ewibo in den aktuell schwierigen und unsicheren Zeiten entschieden, „durch die nach Einkommen gestaffelte Aufstockung die akuten Sorgen um das Wegbrechen der finanziellen Basis für die Beschäftigten zu mindern“, erläutert der Geschäftsführer.

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Das Engagement der Beschäftigten – gerade auch bei durch Kurzarbeit geminderten Bezügen – bei der Unterstützung Hilfsbedürftiger und auch zum Beispiel beim Aufbau des Behandlungszentrums im Europa-Haus – verdiene Respekt, der sich auch in der Aufstockung beim Kurzarbeitergeld widerspiegeln solle, so Klein-Schmeink.

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