Lucas Cranach als Vorkämpfer der Reformation

Museum Kunstpalast Düsseldorf

Seine Malerei besticht durch eine Brillanz, die man bis dahin nur von Italienern kannte. Nicht nur deshalb hat das Museum Kunstpalast in Düsseldorf allen Grund, das Werk des Renaissancekünstlers Lucas Cranach (1472-1553) im Reformationsjahr in bestechender Fülle und erlesener Qualität in Erinnerung zu rufen.

DÜSSELDORF

, 06.04.2017, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lucas Cranach als Vorkämpfer der Reformation

„Das ungleiche Paar (Der verliebte Alte)“ von Cranach entstand um 1530.

Als Wegbegleiter Luthers, mit dem er sich in der geistig prosperierenden kleinen Fürstenstadt Wittenberg anfreundete, trug Cranach mit neuen Bildthemen in Gemälden wie der "Speisung der 5000", dem "Abschied der Apostel" oder "Christus und die Ehebrecherin" maßgeblich zur Verbreitung der Reformation bei. Das ist die eine kühne These, die diese spektakuläre Ausstellung unter dem Motto "Meister - Marke - Moderne" mit kostbaren Leihgaben aus New York, London, Madrid, Budapest und Stockholm schlüssig belegt.

Von der kultischen Objekt-Rolle befreit

Die zweite These des umfassenden Überblicks über Cranachs Schaffen und seiner Wittenberger Werkstatt ist ebenso gewagt: Cranach, erklären die Kuratoren, habe im Geiste der Reformation das Bild von seiner kultischen Rolle als Objekt der Anbetung befreit. Mit moralisch gewürzten Botschaften sollte es nur der Betrachtung dienen.

Zu den Höhepunkten zählen der erste nördlich der Alpen entstandene lebensgroße Frauenakt "Venus und Cupido" aus St. Petersburg und die lange verschollene, betörend liebliche Breslauer Madonna mit einem Jesuskind. Auch der rekonstruierte Prager Altar, dessen fünf Teile wie Cranachs gesamtes Werk in alle Winde verstreut wurden, und nie öffentlich gezeigte Gemälde, wie der von Kurtisanen betörte Alte, gehören dazu.

Prägnanter Realismus gepaart mit malerischer Wirkung

Ein Selbstbildnis von 1531 zeigt Cranach mit breitem Schädel, in die Stirn hängenden schwarzen Locken, entschlossenem Gesichtsausdruck und einem kostbaren Pelzkragen als Hinweis auf wirtschaftlichen Erfolg. In seiner Malerei paart sich ein ungewöhnlich prägnanter Realismus mit hinreißender malerischer Wirkung. Den Verirrungen der Liebe bei ungleichen Paaren widmete er sich mit derselben Hingabe wie im Geist der Renaissance Mythen der Antike oder biblischen Themen.

Die Schau korrigiert das Klischee vom einsamen Genie, indem sie die Rolle der Gesellen herausstreicht, die dem Meister in seiner Wittenberger Manufaktur zuarbeiteten. Deutlich wird auch der Einfluss seiner nackten Göttinnen auf die Moderne vom Expressionismus bis zu Picasso und gar Andy Warhol.

Erforschung von 1500 Gemälden fließen mit ein

Neueste Erkenntnisse in der Erforschung der 1500 erhaltenen Gemälde aus einer Produktion von 5000 Arbeiten fließen ein. Seit acht Jahren erkundet das vom Museum Kunstpalast mit der Technischen Hochschule Köln getragene, im Internet öffentlich zugängliche Cranach Digital Archiv das Werk.

Sichtbar werden dank Infrarot-Untersuchungen die mit dem Spitzpinsel oder dem Federkiel und schwarzer Tusche aufgetragenen Kompositionsentwürfe. Die Ausstellung zeigt auch Parallelen zum Schaffen Dürers. Und schon vor der Eröffnung sind 700 Führungen gebucht.

Museum Kunstpalast in Düsseldorf: "Cranach. Meister - Marke - Moderne" , 7.4. (Eröffnung um 19 Uhr) bis 30.7., Ehrenhof 4-5, Di-So 11-18 Uhr, Do/Sa 11-21 Uhr, Katalog: 39,90 Euro. www.smkp.de