„Lucy in the Sky“: Natalie Portman hat den Weltall-Blues

rnKino-Kritik

Im Psychodrama „Lucy In The Sky“ spielt Natalie Portman eine Astronautin, die sich so sehr nach den Sternen sehnt, dass ihr Leben außer Tritt gerät. Packend gespielt, jetzt im Kino.

Dortmund

, 31.07.2020, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man kennt das Kinosujet, wo Astronauten aus dem All zur Erde kommen und bizarre Dinge einschleppen, gefährliche Lebensformen etwa. Klassischer SciFi-Stoff. Oder sie haben sich in ihrem Wesen so verändert, dass man annehmen muss, sie wurden dort oben zum Opfer einer unfreundlichen Übernahme wie in „The Astronaut’s Wife“.

Bei Noah Hawleys „Lucy In The Sky“ wird eine Nasa-Astronautin (Natalie Portman) ebenfalls fern der Erde infiziert – mit dem großen, schweren Weltall-Blues. Die Symptome zeigen sich nicht auf der Raumstation ISS, sondern erst nach Lucys Rückkehr in den Alltag.

Sinnloser und öder Trott auf der Erde

So stimulierend und Horizont-erweiternd Lucy die Zeit im Orbit erlebte, so schal und unbefriedigend empfindet sie den gewohnten Trott und das Leben mit ihrem Mann (Dan Stevens). Alles kommt ihr profan, öde, sinnlos vor.

Als Flashbacks in Lucys Kopf gibt es vereinzelte Panorama-Shots von All und Schwerelosigkeit wie in „Gravity“, das Drehbuch braucht sie, um Lucys Sehnsucht verständlich zu machen. Der Film ist aber keine Space-Operette, sondern ein Seelendrama.

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Und so kontrastiert er Momente himmlischer Erhabenheit mit irdischen Banalitäten. Einkauf, Oma-Besuch, gemeinsame Mahlzeit. Immer öfter klinkt Lucy sich mental aus, die Kamera ruht dann auf Portmans Gesicht, Gespräche verstummen, in Gedanken ist sie weit draußen.

Wer könnte diese Gefühle besser verstehen als die NASA-Kollegen? Vor allem Mark (Jon Hamm) will Lucy auf andere Gedanken bringen. Was er auch schafft: Lucy stürzt sich Hals über Kopf in eine Affäre mit ihm, während beide für eine neue Mission im All trainieren. Als Lucy merkt, dass ihr Geliebter mit einer weiteren Astronautin (Zazie Beetz) angebandelt hat, verliert sie jeden Halt.

Von „Lucy in the Sky“ in die Abwärtsspirale

Natalie Portman gelingt das überzeugende Porträt einer labilen Sensiblen, die in die Abwärtsspirale der Psychose driftet. Der Symbolismus der Regie ist teils überdeutlich, manches ist Charaktermalerei mit breitem Pinsel. Bilder tragen Lucys „Wahn-Schleier“, sie schwebt durch ein Spalier eingefrorener Figuren, die Musik jauchzt entrückt wie bei Terrence Malick.

Das mag kein Meisterstück der Psychologie sein, aber es lässt nicht kalt, wie Lucy in ein Finale taumelt, wo Amok und Tragödie lauern. Ein honigsüßer Epilog schraubt die Fallhöhe dieses Dramas dann leider deutlich zurück.

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