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Kraftwerksgegner: "Eine Katastrophe droht"

LÜNEN Die Lüner Kraftwerksgegner fordern die Ratsmehrheit zum politischen Salto rückwärts auf. Das Stadtparlament soll seine positive Stellungnahme zum im Stummhafen geplanten Trianel-Kraftwerk „zurückziehen und korrigieren“ – damit das Steinkohlekraftwerk doch noch verhindert wird. „Das verlangen wir“, sagte Prof. Dr. Johannes Hofnagel am Dienstagabend vor mehreren hundert Menschen bei der Informationsveranstaltung der Kraftwerksgegner im Hansesaal.

von Von Peter Fiedler

, 14.11.2007

 

Hofnagel und die Bürgerinitiative Kontra Kohle Kraftwerk sehen sich legitimiert durch über 12 000 Protestunterschriften von Bürgern. „Ich sehe keine Unterschriftenliste von 13 000 Bürgern, die sich für das Kraftwerk einsetzen“, konterte Hofnagel den Vorwurf, die Gegner weiterer Kraftwerke seien in der Minderheit.

Jene Politiker, von denen eine Kehrtwende verlangt wird, waren nicht anwesend. Wie berichtet, hatten SPD, CDU,  FPD und Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick ihre Teilnahme an der Diskussionsveranstaltung im Vorfeld abgesagt, u.a. mit der Begründung, es gebe keine neuen Informationen.

 „Jeder Bürger muss sich seine Meinung bilden, wie er dazu steht, dass gewählte Mandatsträger nicht erscheinen“, kommentierte Hofnagel. Vertreter der Grünen, der Unabhängigen Wählergemeinschaft und der Statt-Partei befanden sich im Saal.

Ohne Befürworter gab es keine Diskussion

Da die Kraftwerksgegner aufgrund der Absagen der Ratsmehrheit unter sich waren, fand eine Diskussion im Sinne des Austausches von Argumenten pro und kontra Kraftwerke nicht statt.

So fassten die Sprecher der Einwender und der BI in einem Rundumschlag durch alle Themenkomplexe während der dreistündigen von Pfarrer Ulrich Klink moderierten Veranstaltung zusammen, was ihrer Ansicht nach gegen das Trianel-Kraftwerk und einen weiteren Kraftwerksblock des Unternehmens Evonik (früher Steag) spricht.

Zusatzbelastungen  nicht irrelevant

"Wer ein Interesse am Wohl der Stadt hat, hat ein Interesse an der Gesundheit der Menschen, die hier leben“, erklärte ZDF-Moderator und Kraftwerksgegner Michael Steinbrecher, der die Komplexe Gesundheit und Landschaftsbild erläuterte. Sich auf den „anerkannten Experten“ Prof. Dr. Helmut Teschler (Chefarzt Ruhrlandklinik Essen) berufend, betonte Steinbrecher, die zu erwartenden Zusatzbelastungen der Luft durch Kraftwerksneubauten seien eben doch nicht irrelevant und somit anders zu bewerten als es von Trianel  mit Hinweis auf das geltende Genehmigungsrecht dargestellt wurde.

Das Gesetz sieht Zusatzbelastungen unter drei Prozent als irrelevant an. „Auch Erhöhungen der Zusatzbelastungen von 1, 2 oder 2,5 % können ernsthafte Auswirkungen auf bestimmte Personengruppen haben“, zitierte Steinbrecher Prof. Teschler, der auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie ist.

 Arzt forderte Reihenuntersuchung

Der Lüner Kinderarzt Dr. Karl Kluge und Allgemeinmediziner Ulrich Engels aus Alstedde hoben die von ihnen beobachtete Häufung von Atemwegserkrankungen hervor, deren Ursache die Ärzte mit der Luftbelastung in Verbindung bringen. Engels forderte Reihenunersuchungen, um herauszufinden, „was jeder Einzelne so mitschleppt“.

Dr. Matthias Laarmann (Verband für Wohneigentum) geht davon aus, dass Immobilien wohl an Wert verlieren, sollten neue Kraftwerke in Lünen gebaut werden: „Der Wohn- und Lebenswert Lünens steigert sich sicherlich nicht im vielfachen Schatten von Schornsteinen und Kühltürmen“, meinte er. Ein Raunen ging durchs Publikum, als Fotomontagen mit den Silhouetten von 160 Meter hohen Kühltürmen auf die Leinwand projiziert wurden.

"Politiker sollen Parteibuch fallen lassen"

Prof. Hofnagel appellierte an die Ratsmitglieder, „Parteibücher, Parteibeschlüsse und Fraktionszwang fallen zu lassen“ und sich gerade auch mit Themen auseinander zu setzen, die „nicht durch Genehmigungsverfahren abgedeckt werden.“

Aber auch im konkreten Genehmigungsverfahren für das Trianel-Kraftwerk sieht er Handlungsbedarf. So müsse das Kraftwerksvorhaben neu bewertet und der öffentliche Erörterungstermin wiederholt werden. Vor allem deshalb, weil nun offenbar auch Evonik in Lünen bauen wolle und die Emissionsprognose für das Trianel-Kraftwerk nur von einem statt zwei neuen Kraftwerken ausgegangen sei.

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