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Ministerin in Lünen mit Pfeifkonzert begrüßt

Live-Ticker zum Nachlesen

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens hat die Victoria-Brache mitten in Lünen als Standort für eine forensische Klinik bestimmt. Bei einer Bürgerversammlung versuchte sie, ihre Entscheidung zu erklären. Wir haben die Diskussion verfolgt. Unser Live-Ticker zum Nachlesen.

LÜNEN

von Von Peter Fiedler

, 30.10.2012

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Forensik: Ministerbesuch und Demonstration

In einer Bürgerversammlung (30.10.2012) erklärt NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) im Hansesaal ihre Entscheidung, auf der Victoria-Brache eine forensische Klinik zu bauen. Vor der Versammlung demonstrierten die Forensik-Gegner vor dem Hansesaal.
30.10.2012
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Die grüne Gesundheitsministerin Barbara Steffens: Ihr Auftritt wird auch von den Lüner Grünen als "unglücklich" bewertet.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
"Sie werden Lünen kennen lernen": NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grünen) schlug der Widerstand der Lüner Bürger entgegen.© Foto: Günther Goldstein
Die rote Karte zeigten die Lüner im Hansesaal der Ministerin und ihren Plänen, auf der Victoria-Brache eine forenische Klinik zu bauen.© Foto: Günther Goldstein
Die rote Karte zeigten die Lüner im Hansesaal der Ministerin und ihren Plänen, auf der Victoria-Brache eine forenische Klinik zu bauen.© Foto: Günther Goldstein
Die rote Karte zeigten die Lüner im Hansesaal der Ministerin und ihren Plänen, auf der Victoria-Brache eine forenische Klinik zu bauen.© Foto: Günther Goldstein
Die rote Karte zeigten die Lüner im Hansesaal der Ministerin und ihren Plänen, auf der Victoria-Brache eine forenische Klinik zu bauen.© Foto: Günther Goldstein
Die rote Karte zeigten die Lüner im Hansesaal der Ministerin und ihren Plänen, auf der Victoria-Brache eine forenische Klinik zu bauen.© Foto: Günther Goldstein
Die rote Karte zeigten die Lüner im Hansesaal der Ministerin und ihren Plänen, auf der Victoria-Brache eine forenische Klinik zu bauen.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
Die Ministerin hat den Hansesaal durch den Hintereingang betreten.© Foto: Günther Goldstein
Lautstarker Protest gegen die Forensik in Lünen. Hunderte Bürger machten ihrem Ärger vor dem Hansesaal Luft.© Foto: Jessica Bader
Hunderte Bürger machten ihrem Ärger vor dem Hansesaal Luft.© Foto: Jessica Bader
Hunderte Bürger bereiteten der Ministerin einen lautstarken Empfang.© Foto: Jessica Bader
Mit Plakaten und Trillerpfeifen demonstrierten die Bürger vor dem Hansesaal.© Foto: Jessica Bader
Die Bürger standen Sparlier, aber die Ministerin wählte den Hintereingang.© Foto: Jessica Bader
Rote Karte für die Forensik. Die Bürger wollten der Gesundheitsministerin Barbara Steffens einen lautstarken Empfang bereiten.© Foto: Jessica Bader
Lautstarker Protest gegen die Forensik-Pläne der Landesregierung am Dienstag vor dem Hansesaal.© Foto: Günther Goldstein
Lautstarker Protest gegen die Forensik-Pläne der Landesregierung am Dienstag vor dem Hansesaal.© Foto: Günther Goldstein
Lautstarker Protest gegen die Forensik-Pläne der Landesregierung.© Foto: Günther Goldstein
Am Infostand der Bürgerinitiative bildeten sich lange Schlangen. Hier konnte man sich in die Protest-Listen eintragen, aber auch Mitglied der Bürgerinitiative werden.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
In einer Bürgerversammlung im Hansesaal versuchte NRW-Ministerin Barbara Steffens ihre Entscheidung für den Forensik-Standort Lünen zu erklären. Sie wurde mit einem Pfeifkonzert begrüßt.© Foto: Günther Goldstein
Schlagworte Lünen

W

  • Es geht nur noch um das "Wie"
  • Viele Ängste formuliert
  • BI: "Sie werden Lünen kennen lernen"
  • Ministerin: Standort-Diskussion abgeschlossen
  • 200 neue Arbeitsplätze in Lünen

Moderator Kay Bandermann kommt zum Schluss, dankt für einen"denkwürdigen Abend im Hansesaal." Er könne der Anfang eines Prozesses sein. "Es ist viel Bewegung in Lünen." Damit ist die Bürgerversammlung beendet, die Diskussion ist es noch lange nicht.

Uwe Dönisch-Seidel sagt: Die Verantwortlichen in den forensischen Kliniken hätten die Aufgabe dafür zu sorgen, dass niemand entlassen wird, der nicht geheilt ist. Es könne aber keine 100prozentige Sicherheit geben.   Der Preis dafür, dass mehr Patienten länger eingeschlossen bleiben als früher sei auch, "dass wir mehr Plätze brauchen."   Bei der Standortsuche habe man auch Google Earth benutzt, sagt Dönisch-Seidel. Es sei aber "verdammt nicht einfach, wenn keine Grundstücke angeboten werden."   Zu den Immobilien-Preisen und der Aussage von Hans-Peter Bludau: Es sei eine Momentaufnahme und eine Prognose. An anderen Standorten hätten sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet.   Zum Grundstück: Die RAG habe schon das Grundstück für Herne verkauft. Er gehe davon aus, so Dönisch-Seidel, dass sie auch zum Verkauf des Lüner Grundstücks stehe.  

Die Ministerin bekräftigt das: "Es ist was anderes, wenn man mit den Leuten vor Ort redet." Sie räumt ein, dass viele Antworten unzureichend gewesen seien, insbesondere zur Standortauswahl.

Es gebe Punkte, wo Demokratie schwer zu leben sei, insbesondere bei Dingen, die in der Gesellschaft keiner haben wolle. Bei einer Diskussion mit 125 Kommunen würde wahrscheinlich am Ende jene Kommune gewählt, die sich am wenigsten wehren könne.  

Diese Option, das Grundstück kaufen zu können, hätte vorher jeder andere auch gehabt. Die RAG hat es uns angeboten und wir haben angenommen."  

: Der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Wilfried Weineck beschreibt seinen Eindruck, er fühle sich wie in einem Obrigkeitsstaat. "Ist das Grundstück schon verkauft?" will er wissen. Wenn nicht, könne es ja eventuell Lünen kaufen.  "Diese Stadt hat sehr darunter gelitten, dass sie bei der Vergabe der Fachhochschule keinen Zuschlag erhalten hat", sagt Weineck. Stattdessen habe Hamm die FH bekommen.  "Wie wollen Sie uns die Garantie geben, dass Täter nicht rückfällig werden, wenn sie entlassen werden", will ein junger Mann wissen.  

  Eine Bürgerin, die nach eigenen Angaben im Bereich der Psychosomatik arbeitet, erklärt, die Veranstaltung habe von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden, weil die Ministerin erklärt habe, bei ihren Plänen für den Standort Lünen zu bleiben. Damit habe sie

 

Moderator Kay Bandermann versucht die Veranstaltung langsam auf die Zielgerade zu bringen. Die jetzt noch aufkommenden Fragen sollen gesammelt beantwortet werden. An allen Mikrofonen stehen noch Bürger. Hans-Peter Bludau meldet sich als Kreisvorsitzender des Verbandes Wohneigentum zu Wort: "Ich kann Ihre Aussage überhaupt nicht nachvollziehen, dass sich eine Forensik nicht negativ auf Immobilien- und Grundstückspreise auswirkt." Jeder Standort werde sich negativ auswirken. "Sie werden Probleme haben, Ihre Häuser zu adäquaten Preisen zu verkaufen."

"Ist noch kein Straftäter beim Freigang entflohen und hat Straftaten begangen?" fragt ein Bürger, will als Antwort nur ein Ja oder Nein. "Ja", sagt Uwe Dönisch-Seidel und ergänzt: "Wir haben eine Kurve, die stark nach unten geht bei Entweichungen und besonderen Vorkommnissen."

  Die Ärztliche Leiterin der Forensiken in Dortmund und Herne lädt zum Dialog ein: "Kommen Sie zu uns, sprechen Sie mit uns. Schauen Sie sich das von innen an, was wir tun. Ich glaube nicht, dass wir Ihnen alle Ängste nehmen können. Wir können Ihnen aber zeigen, dass wir unsere Aufgabe verantwortungsvoll wahrnehmen", sagt sie. "Dialog ist uns sehr wichtig."  

  CDU-Ratsmitglied Dirk Wolf an die Ministerin: "Sie haben uns Lüner heute Abend erst so richtig zusammen geschweißt. Wir werden dagegen kämpfen."   Michale Neuhaus (FDP) kündigt den Widerstand auch der Lüner Sportvereine an. "Ich finde es ganz fürchterlich, was Sie hier in Lünen machen", meint sie. "Lünen ist eine lebendige Stadt an der Lippe, das soll sie bleiben."   

"Gab es an anderen Standorten keine

oder haben wir uns das eingebildet?" will ein Bürger wissen. An keinem der neuen Standorte, die in den vergangenen zehn Jahren geschaffen worden seien, habe es einen Ausbruch gegeben", sagt die Ministerin.   Ein Dezernent das Landschaftsverbandes, der sechs Forensiken betreibt, erklärt, der Verband habe auch erst letzte Woche von den neuen Standorten erfahren. "Jedes besondere Vorkommnisse melden wir Herrn Dönisch-Seidel, das geht über seinen Tisch", erklärt er. Ein typisches Vorkommnis etwa sei, wenn ein Freigänger etwas verspätet zurück komme, erklärt Ministerin Steffens.

"Warum wurden die Lüner Bürger so spät informiert?" fragt eine Frau. Die Ministerin: "Man hätte 2011 hingehen können und eine Veranstaltung machen können: Könnte der Standort einer sein? Dann hätten wir wahrscheinlich 125 Kommunen gehabt, in denen keine Forensik möglich ist." 

Er wird vom Moderator auf die Bühne gebeten. Er sagt: "Forensik macht Angst, natürlich. Als ich mich mit dem Thema noch nicht befasst habe, hatte ich auch Angst. Die Frage ist, wie gehen wir mit den Menschen (gemeint sind die Täter) um? "Aufhören" wird aus dem Saal gebrüllt.   Moselewski: "Mir ist es lieber, dass Menschen, die erkrankt sind, in Sicherungsverwahrung sind." Dann beendet er gezwungenermaßen seinen Beitrag. Er wolle in einen Dialog einsteigen, wenn die Bereitschaft dazu bestehe, sagt er.   Der ehemalige CDU-Fraktionsvorsitzende Friedhelm Schroeter erklärt: "Die Leute sind hierhergekommen, um zu erfahren: Warum ist Victoria der geeignete Standort? Sie haben keine Wertung der anderen Standorte vorgenommen. So, meine Damen und Herren, geht es hier nicht.

  Er wirft der Ministerin vor, man habe in Lünen offenbar den Weg des geringsten Widerstandes gesucht und zweifelt auch die Rolle des angeblich nicht eingebundenen Landtagsabgeordneten Rainer Schmeltzer (SPD) an.   "Er hat nicht mehr gewusst als jeder andere hier im Saal" sagt die Ministerin über Schmeltzers Rolle. Sie korrigiert ihre Aussage zum Muna-Gelände in Bork. Auch dieses Gelände sei geprüft worden. "Es war aber nicht verfügbar."

Stefan Wagner fragt nach den Sicherheitsvorkehrungen beim Freigang von Forensik-Patienten. Er will auch wissen, warum der Bundeswehrstandort Bork nicht gewählt wurde. Dönisch-Seidel sagt, dieser Standort sei nicht geprüft worden.

  Die Ministerin:  "Wir können nur die Angebote prüfen, die wir haben. Niemand hat den Standort angeboten, weil er nicht verfügbar für uns ist. Ich kann doch nicht dem Bund Standorte wegnehmen." Minsteriums-Sprecher Christoph Meinerz sagt den Medienvertretern: "Der Standort war bekannt, ist aber als nicht verfügbar klassifiziert worden. Details können wir gerne klären."   Dönisch-Seidel zur Sicherheit: "Erst wenn ein Patient alle therapeutischen Schritte durchlaufen hat und man nach regelmäßiger Testung feststellen kann, dass eine Gefahr nicht mehr besteht, wird der Freigang eingeleitet. Das betreffe etwa 10 Prozent der Patienten."

Die Bürgerversammlung geht weiter. Fast zwei Stunden dauert sie bereits.

Die Anwesenden nutzen die Gelegenheit, um der Ministerin ihre Ängste nahe zu bringen: "Es gibt an einem Forensik-Standort nicht mehr Angst als an einem Nicht-Forensik-Standort", sagt die Ministerin an die Adresse eines Mädchens. Es hatte erklärt Angst zu haben.   "Waren Sie in der Siedlung? Haben Sie sich das mal vorab angeschaut?" möchte eine Bewohnerin der Victoria-Siedlung von der Ministerin wissen. Uwe Dönisch-Seidel, der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug, habe sich das Grundstück angeschaut.   Dönisch-Seidel:

Ich bin aber gerne bereit zu Ihnen zu kommen und mit Ihnen über Ihre Ängste und Sorgen zu reden."   Bürger Michael Folchmann meldet sich zu Wort: "Sie können das Ding irgendwo in der Walachei hinstellen, da hat niemand was dagegen." Der Verband Wohneigentum solle prüfen, ob die Grundstückspreise an anderen Stellen wirklich nicht gefallen sind. "Ich glaube das nicht", sagt Folchmann.  

Die Wortmeldungen arbeiten sich zum Zentrum der Ängste vor: Es wird gefragt, ob Triebtäter in der Forensik untergebracht werden sollen. "Ja", sagt Uwe Dönisch-Seidel.

"Weil mir die Kinder in diesem Land wichtig sind, möchte ich, dass Straftäter, die psychisch krank sind, nicht frei herumlaufen", betont die Ministerin: "Ja, mir sind Kinder verdammt wichtig."   Eine Bewohnerin der Victoria-Siedlung sagt: "Sie haben uns mit dieser Entscheidung die Möglichkeit genommen, von diesem Platz wegzuziehen", spielt sie auf sinkende Immobilienpreise an.

Die Bürgerin sagt, eine Bank habe einer anderen Bewohnerin der Siedlung eine Finanzierung verweigert, nachdem die Entscheidung für den Forensikstandort gefallen sei. "Nennen Sie mir die Bank, wir nehmen Kontakt auf", fordert die Ministerin die Frau auf.   Uwe Dönisch-Seidel weist darauf hin, dass mit der Forensik 200 Arbeitsplätze nach Lünen kämen. "Sie haben doch vorhin gesagt, dass der goldene Löffel immer an Ihnen vorbei gegangen ist", sagt er. Und zu den Immobilienpreisen: "Es gibt an vielen Standorten Neubaugebiete, die auch noch wachsen."   Eine Bürgerin sagt: "Ich arbeite selber bei einer Bank. Ich würde so ein Haus nicht finanzieren."  

"Ich kann Ihre Wut verstehen, aber weder bin ich für die Täter verantwortlich, noch macht es mir Spaß Standorte suchen zu müssen", sagt die Ministerin.   Nun spricht Dieter Mendrina, Vorsitzender der Siedlergemeinschaft Barbara: "Sie haben immer um den heißen Brei geredet", wirft er der Ministerin vor.

will er wissen. "Weil es im Landgerichtsbezirk das am besten geeignete Grundstück ist", antwortet Barbara Steffens. "Dann tun Sie mir richtig leid und das werden Sie auch bei der nächste Wahl merken", meint Dieter Mendrina.  

Die Ministerin: "Ich weiß nicht, wer Dir Angst gemacht hat. Es gibt keinen Grund für Dich, vor einer Forensik Angst zu haben. Es gibt ganz viele Forensiken mit Schulen und Kindergarten in der Nähe." Man könne gerne eine Fahrt zu einem solchen Kindergarten in der Nähe einer Forensik organisieren.  

 Gut eine Stunde Bürgerversammlung: An den drei Saalmikrofonen haben sich lange Schlangen gebildet. Es gibt noch reichliche Redebedarf. Jetzt ist Dirk Hartmann, Vorsitzender der BI "Lünen ohne Forensik", an der Reihe. "Wir sind nicht gegen Forensik, wir sind nur an diesem Standort gegen Forensik", erklärt er. "Wir haben die höchste Arbeitslosenquote im Kreis Unna und eine Kaufkraft, die einer Mittelstadt in Mecklenburg-Vorpommern entspricht. Uns geht´s richtig dreckig. Wenn Düsseldorf mit goldenen Löffeln durch das Land läuft, läuft es regelmäßig an Lünen vorbei. Aber für eine Forensik sind wir dann gut", so Hartmann, "und das noch an einem Standort mittten im Herzen der Stadt." Lünen könne sich nicht wie andere Städte mit positiven Standortfaktoren werden. "Wir werden definiert mit

, betont Hartmann. Tosender Beifall für diese Aussage.   Hartmann kündigt an: "Wir werden wirklich alles tun, was uns möglich ist, um diesen Standort zu verhindern. Wir sind noch doof, wir wissen, dass es zur Halbzeit 0:4 steht, aber auch solche Ergebnisse kann man drehen. Nehmen Sie mit nach Düsseldorf:

  Die Ministerin sagt, das bürgerschaftliche Engagement sei beeindruckend, aber: "Wir stehen auf unterschiedlichen Seiten, weil wir unterschiedliche Aufgaben haben.

Sie haben das Recht alles zu unternehmen, was in Ihren Möglichkeiten liegt", erklärt Barbara Steffens. Bei allem Konflikt wolle sie aber dialogbereit sein und freue sich, dass die BI Dialogbereitschaft zugesagt habe.  

Anwalt Kai-Uwe Neumann  ergreift das Wort. Er spricht von einem

im Zusammenhang mit dem Verfahren und erklärt, die rechtliche Situation sei aus Sicht der Stadt Lünen schwierig, aber nicht so aussichtlos, wie der Pressesprecher des Ministeriums erklärt habe. Die Frage sei, welche Alternativstandorte im Landgerichtsbezirk geprüft worden sei und was gegen sie gesprochen habe. Neumann will auch wissen, ob es ein Bodengutachten gibt und wie hoch die Entsorgungskosten im Vergleich zum Standort Bork (ehemalige Muna-Fläche) seien. Er will ferner wissen, ob es an Alternativstandorten Kindergärten und Schulen in der Nähe gebe und welchen Zweck der auf der Victoria-Fläche geplante Wall habe.   Der Wall solle eine gewisse Distanz sicherstellen, antwortet Dönisch-Seidel. Genau solche Fragen sollten in einem

besprochen werden, so die Ministerin.   Zur Frage nach Details zu

sagt Steffens: "Die Antwort werden Sie nicht bekommen. Wir haben eine Reihe von Grundstücken vorgeprüft, einige intensiv geprüft und haben nach den Kriterien eine Entscheidung getroffen.

  Dönisch-Seidel erläutert, es sei eine relativ lange Liste mit Kriterien erstellt worden. Die Liste sei

worden. "Wir machen keine willkürlichen Entscheidungen, werden die  Diskussion jetzt nicht noch einmal aufmachen.",In jeder Standortprüfung seien Kindergärten, Schulen und Altenheime erfasst worden. "Es ist nicht so, dass sich dieser Standort von Standorten in Dortmund, Köln oder Herne in der Entfernung unterscheidet."  

"Nur diejenigen bekommen Freigang, die eine lange Therapie durchlaufen haben. Sie würden dann 1:1 beim Ausgang begleitet. Es ist nicht so, dass Menschen Ausgang haben, von denen eine Gefahr in dem Maße ausgeht", so die Ministerin.  "Wer übernimmt die Kosten für die

?" will ein Bürger wissen. Dönisch-Seidel antwortet: "Die Verseuchung besteht schon sehr lange. Auf den fünf bis sieben Hektar, wo die Klinik entsteht, wird es demnächst nicht mehr verseucht sein. Belastung sei ein wertmindernder Faktor: "Das zahlt nicht der Käufer allein", so Dönisch-Seidel.

ergänzt die Ministerin.   

Jetzt soll Uwe Dönisch-Seidel, der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug in NRW, das Wort erhalten. Doch zuvor bringt eine Mutter ihre Angst vor einer Forensik zum Ausdruck. "Haben Sie Kinder"" wird die Ministerin gefragt. "Ja", sagt Barbara Steffens, "und

"Ich würde gerne mit Ihnen reden, ob die Ängste begründet sind", ergänzt sie. Jetzt will Dönisch-Seidel sprechen. Er muss zunächst auch gegen Pfiffe und Rufe anreden.   "Ich möchte Ihnen sagen, dass sich in den letzten 20 bis 25 Jahren enorm viel in NRW geändert hat", sagt er.

14 Standorte gebe es mittlerweile, die aber erheblich überbelegt seien,   Ein Landgericht entscheide, ob Täter in den Maßregelvollzug kommen, weil sie psychisch krank sind und psychiatrisch behandelt werden. "So lange sie krank sind, müssen sie geschlossen untergebracht werden", sagt er.   Die Mutter sagt: "Wir wissen, die Menschen müssen untergebracht werden, aber warum in einem Wohngebiet?" Sie unterstellt, der Standort sei ausgewählt worden, weil dort viele Ausländer lebten. Die Ministerin:

Wenn es nach 125 Gemeinden ginge, "hätten wir nirgendwo eine Forensik", so Steffens.

, sagt eine türkische Mitbürgerin. "Warum nicht in Düsseldorf?" fragt sie. "Weil es schon eine Forensik in Düsseldorf gibt", sagt die Ministerin. Es sei im Sinne der Gerechtigkeit, wenn die Menschen, die in ihrem Landgerichtsbezirk verurteilt werden, auch in ihrem Landgerichtsbezirk untergebracht werden.  Auf Nachfrage sagt die Ministerin, dass 6 der 125 angeschriebenen Kommunen Grundstücke benannt hätten. Das Ministerium habe darüber hinaus Grundstücke geprüft, die verfügbar und erwerbar sind.

Jetzt spricht Ministerin Barbara Steffens (Grüne )beziehungsweise sie will es. Doch zunächst hagelt es Pfiffe. "Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um Fragen zu beantworten. Ich werde mir dafür Zeit nehmen", sagt sie und gibt gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, nicht gegen Trillerpfeifen anreden zu müssen.

, betont sie.   NRW habe 750 Plätze für den Maßregelvollzug zu wenig. Kriterium für die Standortauswahl sei gewesen, in welchen Landgerichtsbezirken Plätze benötigt werden. Die Ministerin wird durch Zwischenrufe unterbrochen. "Machen Sie es uns doch nicht so schwer", bittet sie. Sie erläutert, dass sie 125 Kommunen auf der Standortsuche angeschrieben habe.

sagt Barbara Steffens.   Die Entscheidung sei auch auf die Stadt Lünen gefallen, "weil wir nicht nur alle Kommunen angeschrieben haben, sondern auch alle Grundstücke geprüft haben", so die Ministerin. Lünen habe erklärt, dass man dem Vorhaben skeptisch gegenüber stehe, aber auch das Grundstück, das man ohnehin schon im Auge gehabt habe, nämlich Victoria I/II nicht verschwiegen.

"Beleidigungen und Verleumdungen werde ich nicht akzeptieren", kündigt der Moderator an und bittet um Verständnis, dass er notfalls das Wort entziehe. Jetzt erhält zunächst Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick das Wort, der ausgepfiffen wird. Einzelne rufen

Die Worte Stodollicks sind im Saal nur schwer zu verstehen. Das liegt am Mikro und der Geräuschkulisse. Stodollick berichtet über das vorangegangene Gespräch mit der Ministerin. Man habe die Gelegenheit genutzt,  um deutlich zu machen, dass Lünen nicht für eine Forensik in Frage komme. Die Victoria-Brache liege so zentral in Lünen wie die Domplatte in Köln, meinte er. Er teilt mit, dass in der Stadtverwaltung eine Arbeitsgruppe gegründet wurde, die sich mit den anderen Städten austauschen wolle, in denen auch eine Forensik geplant ist. Auch die RAG als Eigentümer der für die Forensik vorgesehenen Fläche werde man ansprechen.

Jetzt geht die eigentliche Versammlung los:

"Lünen, so scheint mir, ist seit acht Tagen eine etwas andere Stadt geworden", sagt Moderator Kay Bandermann. "Ich denke, die Ministerin hat bereits mitbekommen, was Sie von ihrer Entscheidung halten", ergänzt er. Die Ruhrgebietler seien bekannt dafür, dass sie nicht lange um den heißen Brei herumreden. Dazu gehöre aber auch zuzuhören, appelliert er an die Bürger im Saal. Dann gibt es noch ein paar technische Hinweise zum Ablauf der Veranstaltung. Auch den Hinweis, dass die gesamte Versammlung aufgezeichnet wird.

Jetzt kommt die NRW-Gesundheits-Ministerin durch einen Seiteneingang in den Saal. Das Pfeifkonzert schwillt zum Orkan. Barbara Steffens bemüht sich trotzdem um ein Lächeln. Moderator Kay Bandermann eröffnet die Bürgerversammlung. Er hat zunächst Mühe durchzudringen. Dann wird es allmählich leiser.

Warten auf die Ministerin: "Widerstand, Widerstand" wird jetzt im Saal gerufen. Kinder halten Protestplakate hoch. Alle Sitzplätze sind belegt, auch das Foyer ist gut gefüllt. Aber niemand muss die Veranstaltung von draußen verfolgen. Der Platz reicht.

Die nicht öffentliche Vorbesprechung der Stadtspitze mit der Ministerin ist beendet. Mitglieder des Ältestenrates kommen jetzt auch in den Saal. Bügermeister Hans Wilhelm Stodollick betritt den Hansesaal. Er wird mit einem Pfeifkonzert empfangen. Das Stadtoberhaupt nimmt in der ersten Reihe Platz. Auch SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Schmeltzer kommt. Es ist ohrenbetäubend laut im Saal. Immer wieder Rufe: "Wir sind das Volk!"

Einige wenige Bürger sind offenbar nicht an sachlicher Diskussion interessiert. Sie zerreißen die Broschüren des Ministeriums und werfen die Fetzen wie Konfetti in den Saal.

Der Hansesaal füllt sich schnell, alle Sitzplätze sind belegt. Ein gellendes Trillerpfeifen-Konzert hallt durch den Saal, es ertönen Sprechchöre "Wir sind das Volk!"

Der Hansesaal wird für die Teilnehmer der Bürgerversammlung geöffnet. Als erstes finden die Teilnehmer die Broschüre des Landes, in der über forensische Kliniken informiert wird. Sie liegt auf allen Sitzen und stapelweise auf den Stehtischen im Foyer.

Gleich werden die Türen zum Hansesaal geöffnet. Michael Zawisch fordert die Demonstranten auf, von persönlichen Angriffen gegen die Ministerin abzusehen. Die Ministerin solle den Eindruck mitnehmen, dass in Lünen eine ganze Stadt gegen die Forensik aufsteht.

Unser Reporter hat vorsichtig geschätzt. Die Polizei spricht in einer ersten Einschätzung von 400 bis 500 Demonstranten und fügt hinzu: "Alles friedlich". 

Bei uns gibt es jetzt auch die ersten Fotos von der Demonstration - und ein Bild von der Ministerin im Hansesaal.   Michael Zawisch bedankt sich auf der Bühne bei den vielen Unterstützern der Bürgerinitiative, darunter auch der Türkische Sozialverein, Bramis, IGBCE und City-Ring. Sein Ziel sind 5000 Mitglieder (300 sind es bisher). An einem Infostand bilden sich lange Schlangen: Hier kann man die Protest-Resolution unterschreiben und Mitglied der BI werden.

Der Protest ist lautstark und geballt, aber friedlich. Das ist der Eindruck unseres Reporters vor Ort. Michael Zawisch unterstreicht die Bedeutung des Protestes: Es wurden in wenigen Tagen in Lünen 10.000 Unterschriften gegen den Forensik-Standort Lünen gesammelt. Viele Demonstranten möchten jetzt auch in den Hansesaal. Doch an der Tür weist ein Schild darauf hin, dass erst ab 19 Uhr geöffnet wird.

Der stellvertretende Vorsitzende der BI "Lünen ohne Forensik", Arno Franke, unterstreicht, dass niemand die Sinnhaftigkeit einer Forensik in Frage stelle. "Sie wurde uns auf arrogante Weise aufs Auge gedrückt". Dr. Achim Grunenberg, ebenfalls im BI-Vorstand, wehrt sich gegen eine Forensik "mitten in der Stadt". Für die Barbara-Siedler bringt es deren Vorsitzender Dieter Mendrina auf den Nenner "Wir wollen keine Forensik vor unserer Haustür". Während die BI ihre Position verdeutlicht, hat die Ministerin offenbar den Hansesaal durch einen Hintereingang betreten. Sie ist nicht durch das Spalier der Demonstranten gefahren. Diese Nachricht wird mit Pfeifkonzert und Buh-Rufen kommentiert. Michael Zawisch: "Man darf nicht so feige sein, den Hintereingang zu benutzen. Dieses Verhalten verstärke nur die Enttäuschung über das Verhalten der Ministerin."

Die Ministerin lässt noch etwas auf sich warten. Auf der Bühne stellen sich unterdessen die Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative "Lünen ohne Forensik" vor. Im Hansesaal ist man auf einen großen Ansturm vorbereitet. Bildschirme und Lautsprecher wurden aufgestellt, so dass die Versammlung auch draußen verfolgt werden kann. Auf den Bildschirmen leuchtet die Aufschrift "Wir weisen darauf hin, dass die Veranstaltung zu internen Zwecken aufgezeichnet wird".

Jetzt meldet sich die Polizei zu Wort und fordert die Demonstranten auf, eine Gasse zu bilden. Damit soll dem Wagen der Ministerin die Zufahrt zum Hansesaal ermöglicht werden.

Die Bürgerinitiative (BI) "Lünen ohne Forensik" hatte für 17.45 Uhr zur Demonstration aufgerufen. Schon jetzt sind viele Bürger zum Hansesaal gekommen, hunderte Trillerpfeifen werden ausprobiert und sorgen für ohrenbetäubenden Lärm. Gegenüber dem Theater ist eine Bühne aufgebaut, Michael Zawisch hat die Anwesenden im Namen der Bürgerinitiative begrüßt. Unser Reporter schätzt, dass etwa 300 Menschen bereits versammelt sind. Während die Ministerin noch nicht gesehen wurde, hat ein zweiter Gast aus Düsseldorf von der Menge unbemerkt den Hansesaal betreten. Der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug, Uwe Dönisch-Seidel, ist bereits angekommen. Er wird gemeinsam mit Ministerin Barbara Steffens die Argumente der Landesregierung erläutern.

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