Luk Perceval zeigt eine Hölle aus Gier und Begierde

Ruhrtriennale: "Geld"

Es ist eine Mammutaufgabe, die sich Regisseur Luk Perceval für die Ruhrtriennale vorgenommen hat. Einen 20-bändigen Romanzyklus will er in dreimal zwei Stunden auf die Bühne bringen: Emile Zolas Familiengeschichte "Die Rougon-Macquart". Dass von den zentralen Romanen bereits Bühnenversionen existieren, mag die Arbeit erleichtern. Die Herausforderung zur Reduktion und Verdichtung bleibt jedoch immens. In Duisburg hatte am Mittwoch der zweite Teil der "Trilogie meiner Familie" Premiere.

DUISBURG

, 08.09.2016, 14:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Luk Perceval zeigt eine Hölle aus Gier und Begierde

Nach „Liebe“ geht es im zweiten Teil von Luk Percevals Trilogie um Geld.

War das Tempo der Szenenmontage bereits im ersten Teil "Liebe" vor einem Jahr ziemlich hoch, so legt Perceval nun bei "Geld" noch eine Schippe drauf. Schließlich beschleunigt die Industrialisierung, das Aufblühen des Kapitalismus' in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Leben der Figuren.

"Evolution im Kleinen"

Es gibt Anknüpfungspunkte zum ersten Teil. Doktor Rougon, der seine Familie erforscht, weil er auf eine "Evolution im Kleinen" hofft, taucht nebst Frau und Mutter wieder auf.

In den Mittelpunkt rücken aber andere: Schwiegervater Saccard, der Kaufhausdirektor und charmante Großinvestor, der alles auf eine Karte setzt und gewohnt ist, zu gewinnen. Seine größte Niederlage bereitet ihm eine seiner Verkäuferinnen, der er verfällt, die ihn aber abweist. Am Ende steht für ihn der finanzielle Ruin, in den er seine Angestellten skrupellos mitreißt.

Sehnsucht nach Liebe

Die reizvolle Nana ist erst ein schwaches Opfer, verfeinert dann ihre Verführungskünste und ist schließlich nur noch darauf aus, Männer wie einen alten, steinreichen Grafen auszunehmen und anschließend zu vernichten. Ihr Ende ist tragisch und extrem wie es die meisten von Zolas Charakteren sind. Alle sind getrieben von Sehnsucht nach Liebe, für die die Egomanen über Leichen gehen.

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Wie im ersten Teil kann Perceval mit einem glänzenden Ensemble des Hamburger Thalia Theaters überzeugen. Aber zum entspannten Zurücklehnen taugt dieses Stück nicht.

9./10. /11.9.; Karten: Tel. (0221) 280210.

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