Luxuslärm-Sängerin: "Mein Herz schlägt für den BVB"

Jini Meyer

Die "1000 Kilometer bis zum Meer" haben sie längst zurückgelegt. Die Iserlohner Band Luxuslärm hat sich seit ihrem ersten großen Hit vor acht Jahren in der deutschen Pop-Welt längst ihren Platz erarbeitet. Hits von fünf Alben haben sie im Gepäck, wenn sie am 22. April ins FZW, Ritterstraße 20, kommen. Wir haben mit Sängerin Jini Meyer über Heimat, Veränderungen und den Eurovision Song Contest gesprochen.

DORTMUND

, 24.02.2016, 00:55 Uhr / Lesedauer: 5 min
Luxuslärm-Sängerin: "Mein Herz schlägt für den BVB"

Luxuslärm-Sängerin Jini Meyer.

Ist Ihr Auftritt in Dortmund so etwas wie ein Heimspiel? 

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich an unsere Coverband-Zeit zurückdenke, ist Dortmund tatsächlich immer unsere Homebase gewesen, weil wir in Dortmund ganz, ganz viele Konzerte hatten. Das Konzert im FZW ist fast ausverkauft. Da merkt man die Resonanz. Das ist natürlich unsere Heimat.

Sind Sie eine heimatverbundene Band?

Ja, total. Die Konzerte sind meistens ein bisschen aufregender und wir sind nervöser, als wenn wir in München spielen. Wir haben viele Bekannte, Freunde, Familie, Fans, die uns seit der ersten Stunde kennen. Dann ist man noch hibbeliger. Aber wir fühlen uns dann auch total wohl. Diese Konzerte sind eigentlich eine Garantie für einen guten Abend.

Sie leben in Letmathe. Verschlägt es Sie auch mal privat nach Dortmund?

Manchmal bin ich in der Thier-Galerie. Ich hatte letztens einen Workshop in der Oper, das war auch total schön. Der Weihnachtsmarkt ist immer ein Highlight mit dem Riesenbaum. Und ich bin zwar kein mega Fußballfan, aber wenn, dann schlägt mein Herz für den BVB. Für den haben wir auch schon ein paarmal gespielt, sogar schon ganz am Anfang als Coverband. Von daher ist da schon eine große Verbundenheit.

Jetzt erscheint Ihr fünftes Album. Wie schaffen Sie es, Ihrem Stil treu zu bleiben und dennoch immer wieder anders zu klingen?

Man hat ja immer eine gewisse Zeit, die bis zum nächsten Album vergeht. Bei uns war es immer so ein Abstand von eineinhalb, zwei Jahren. Und es ist auch gut, dass man diese Zeit hat und es nicht weniger ist. Da erlebt man viele Dinge, die dich auf neue Texte und zu neuen Ideen bringen, in der Zeit verändert sich auch die Gefühlslage. Von daher ist es gar nicht schwierig, sich selbst treu zu bleiben. Ich find‘s trotzdem ganz wichtig, dass man nicht stehen bleibt.

Wie hat sich Luxuslärm denn über die Jahre verändert?

Beim dritten Album haben wir zum Beispiel Culcha Candela mit ins Boot geholt, obwohl das vielleicht gar nicht die Musik ist, die wir machen. Da haben wir auch mal einen Tanz-Song gemacht. Auf dem vierten Album waren wir richtig rockig. Und das fünfte Album ist jetzt wieder ein richtig schönes Pop-Album. Es geht zurück zu unseren Wurzeln, so wie wir damals angefangen haben. Es ist ein ganz nahes Album, weil viele Geschichten drin sind, die wir erlebt haben – mit Fans oder als Privatmenschen. Live werden wir aber immer eine Rockband bleiben.

Sie hatten 2011 einen Wechsel in der Bandbesetzung. Spielt das heute noch eine Rolle?

Nein, das ist jetzt fast fünf Jahre her. Das interessiert keinen mehr.

Wie haben Sie sich persönlich seit dem Hit „1000 Kilometer bis zum Meer“ entwickelt?

Damals war es noch so, dass ich lange nach meinem Sound gesucht habe. Ich habe viel experimentiert, war noch grün hinter den Ohren. Das war das erste Album, das ich überhaupt eingesungen habe. Ich habe bis dahin nur live gespielt. Ich glaube, dass man sich durch die Arbeit mit der Band und die vielen Konzerte mehr traut und offener wird im Studio. Dadurch bin ich gewachsen und weiß viel genauer, was ich will und was ich nicht will. Ich bin mit mir im Reinen.

Sie sind schon eine ganze Weile in der Szene. Wie schafft man es, seinen Namen oben zu halten?

Es gab sicher auch Zeiten, wo keiner etwas von uns gehört hat. Wo man sich gefragt hat: Was machen die denn gerade? Dabei waren wir dann ganz fleißig am Livespielen, vielleicht nur nicht in NRW, oder haben gerade am Album gearbeitet. Im Februar haben wir zehnjähriges Band-Jubiläum. Es waren auf jeden Fall sehr intensive Jahre. Es gab sicher Zeiten, wo wir gerade nicht im Gespräch waren. Das finde ich aber nicht schlimm. Sich einmal rar zu machen, tut auch dem Privatleben gut. Eine richtige Pause hatten wir aber nie. Mehr als vier, fünf Tage Urlaub waren nie drin. Wir geben uns der Musik total hin.

Was würden Sie jungen Musikern raten, die ins Rampenlicht wollen?

Sie sollten sich erst einmal bewusst werden, ob das wirklich ihr Wunsch ist. Es ist nicht so leicht, wie es aussieht, kostet sehr viel Energie. Es sind sehr, sehr lange Arbeitstage. Man hat einen verschobenen Tagesablauf, arbeitet auch viel nachts. Es kostet viel Mühe, auf sich aufmerksam zu machen, überhaupt ins Radio zu kommen, CDs zu verkaufen. Wer kauft heute noch CDs? Es wird immer schwieriger, Geld im Musikbusiness zu verdienen. Reich wird man damit nicht, wenn man nicht Helene Fischer ist. Es ist eine Herzenssache. Wenn man mit dem Herzen nicht dabei ist, sollte man es lassen.

Sie sind beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest dabei. Wie ist es dazu gekommen?

Wir haben uns als Band beworben. Unsere Plattenfirma Universal hat auch gefragt, ob wir Bock haben. Und ein paar Wochen später kam der Anruf, dass wir zu den zehn Bands gehören. Wir konnten es gar nicht glauben und haben uns riesig gefreut.

Wie sehen Sie die Diskussion um den geschassten Xavier Naidoo, der eigentlich hätte zum ESC reisen sollen?

Wer Xavier Naidoo als Rechtsradikalen darstellt, der kennt ihn nicht. Alles, für was er steht, ist genau das Gegenteil von dem, was publiziert wird. Da würde ich ihm immer den Rücken stärken. Aber natürlich ist das für uns als Band jetzt eine Riesenchance, die wir gerne wahrnehmen würden.

Warum sind Sie die Band, die Deutschland perfekt vertreten würde?

Wir sind eine sehr gute Live-Band, können gut Stimmung machen und haben einen ganz tollen Song mit einer super Botschaft. Auch wenn er auf Deutsch ist: Jeder erkennt sofort, um was es geht. Ich glaube, dass wir deswegen gute Vertreter wären. Aber daran denke ich noch nicht, ich bin erst beim Vorentscheid.

Worum geht es im Song „So lange Liebe in mir wohnt“, mit dem Sie antreten?

Wir haben uns viele Themen überlegt, die uns berührt haben. Und eins der größten Themen ist genau das, was man immer sieht, wenn man den Fernseher anmacht: das Flüchtlingsthema. Vielleicht können wir mit dem Lied nicht die Welt verändern, aber wir können versuchen, die negative Stimmung etwas einzudämmen, indem wir sagen: Kein Mensch ist irgendwie weniger oder mehr wert als der andere. Genau darum geht es in dem Song: dass man bei sich anfangen sollte und dass es nur mit Liebe geht.

Also ein Appell an die Menschlichkeit?

Ja, aber ohne erhobenen Zeigefinger. Wir wollen niemandem unsere Meinung aufzwingen. Ich denke, wir haben es ganz charmant verpackt.

Es ist nicht der erste Bandwettbewerb für Sie. Sie haben 2012 am Bundesvision Songcontest teilgenommen. Ist das Ihr Ding?

Das ist sicher kein großer Vorteil. Aber man hat zumindest schon mal diese Luft geschnuppert. Wobei: Der ESC-Vorentscheid ist noch mal ein paar Nummern größer. Es geht darum, Deutschland mit der Musik zu vertreten. Wir sind nicht wettbewerbsgeil. Es geht darum, einer großen Menge Menschen unsere Songs zu zeigen.

Sie hatten schon einiger Gastauftritte in Daily-Soaps. Haben Sie eine Lieblingsserie?

Nein. Ich gebe zu der Zeit meistens Gesangsunterricht. Dann habe ich keine Zeit, Fernsehen zu gucken. Wo ich am Anfang ein wenig Vorurteile hatte, wo ich mich aber echt wohlgefühlt habe, war bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Das war für uns eine ganz tolle Sendung und durch diesen Auftritt sind wir damals sogar in die Charts gegangen. Ich habe echt unterschätzt, wie viele das gucken.

Was ist für Sie Luxus?

Luxus ist für mich in den vergangenen Jahren Zeit geworden. Zeit für die Familie, für den Freund, die Freundin. Das versuche ich auch mehr zu genießen und wertzuschätzen als früher. Dagegen sind materielle Dinge total in den Hintergrund gerückt.

Sie engagieren sich für die Kampagne Bunt statt Blau gegen Komasaufen bei Jugendlichen. Was steckt dahinter?

Die DAK hat uns angesprochen, weil wir eine Fan-nahe Band sind. Wir waren echt geschockt über die Zahlen von Jugendlichen, die sich ins Koma saufen. Und wenn wir irgendwie darauf aufmerksam machen können, machen wir das sehr gerne. Jetzt sind wir schon im sechsten Jahr dabei.

Haben Sie da schon auf Ihren Konzerten etwas in die Richtung erlebt?

Auf unseren Konzerten noch nicht. Wir haben ein sehr anständiges Publikum. Aber auf Festivals natürlich. Da sind es aber größtenteils Erwachsene, die total betrunken sind. Wenn wir Jugendliche sehen würden, würden wir sicher auch einschreiten.

Das Konzert beginnt am 22. April (Freitag) um 20 Uhr. Es gibt noch wenige Restkarten für 28,20 Euro im FZW, im RN-Service-Center, Silberstraße 21 und in unserem .