„Macbeth“ ist von grausam kühler Brillanz

Neu im Kino

Zu Dutzenden von "Macbeth"-Filmen, am bekanntesten die von Orson Welles (1948) und Roman Polanski (1971), gesellt sich ein neuer von Justin Kurzel, mit Michael Fassbender in der Rolle des Königsmörders und Marion Cotillard als seiner Frau.

03.11.2015, 10:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Macbeth“ ist von grausam kühler Brillanz

Macbeth (Michael Fassbender) und Gattin (Marion Cotillard) in der Shakespeare Tragödie.

Eine Version, die Shakespeare strafft und die Essenz heraus wringt - Blut, Heimtücke, Wahn. Das Menschenbild ist rabenschwarz, der Blick auf das Mittelalter grimmig. Die Schlacht wird zur Orgie aus Dreck und Schlamm, wo Schwerter schmatzen und roter Saft in Fontänen spritzt.

Stilisiertes Gemetzel

Hauen, Stechen, Röcheln. So erdig und deftig hat schon Kenneth Branagh seinen "Henry V." in Szene gesetzt. Ultra-Zeitlupen stilisieren das Gemetzel zu einem Akt barbarischer Männlichkeit. Streicher winseln wie Dudelsäcke. Nebel wallt über karges, schroffes Land, in den Schwaden stehen Shakespeares Hexen, hier drei weise Frauen.

Macbeth soll König werden, sein Weib stachelt ihn an. Das Drama nimmt seinen Lauf. Macbeth meuchelt den König (David Thewlis) und besteigt den Thron. Die Schicksalsmühlen beginnen zu mahlen, der Fluch der bösen Tat holt ihn ein. Er sieht Gespenster und schickt ihnen neue Tote hinterher.

Adam Aparkaws Kamera liest viel in geschundenen, schorfigen Gesichtern. Fassbender, keine Frage, ist ein Charaktermime, dem man den Irrsinn abkauft. Die Musik lässt die Hölle ahnen, während Macbeths Leben zum Vorgeschmack der Hölle wird.

Fahles Licht

Kurzel arbeitet mit strengen Bildkompositionen. Fahles Licht über dem Hochmoor beschwört eine archaische Welt, in der Kinder brennen und Pfaffen gute Miene zum bösen Spiel machen. Shakespeares Verse generieren wuchtige Schwere, hieven das Ganze auf Fallhöhe der Tragödie. Arthouse-Kino von bestechendem Konzept und grausam kühler Brillanz.