Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen

Theater Mülheim

Roberto Ciulli begab sich am Donnerstag zum Saisonauftakt am Mülheimer Theater an der Ruhr in die Niederungen des französischen Vaudevilles. Seine Neuinszenierung von Georges Feydeaus "Monsieur Chasse oder Wie man Hasen jagt" entdeckt allerdings Ernst und Tragik hinter der Komödie.

MÜLHEIM

von Von Klaus Stübler

, 13.09.2013, 15:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Noch nicht bereit für den Liebhaber: Léontine (Petra von der Beek) zeigt Moricet (Steffen Reuber) rot.

Noch nicht bereit für den Liebhaber: Léontine (Petra von der Beek) zeigt Moricet (Steffen Reuber) rot.

Aus dem turbulenten, grotesk komischen Boulevardtheater-Stück des späten 19. Jahrhunderts wird ein emotional unterkühltes Konversationsdrama im Stil der Nouvelle vague-Filme aus den 1960-er Jahren, bei dem sich selbst und einander fremde Charaktere in einem sachlich-kühlen Ambiente (Bühne: Gralf-Edzard Habben) agieren.

In "Monsieur Chasse" geht es um die Doppelmoral des Bürgertums, genauer gesagt, ums Fremdgehen.

Hasen-Jagd Gleich mehrere Ehebrüche werden verhandelt: Der biedere Duchotel (Albert Bork) macht sich aktiv auf "Hasen"-Jagd, was seine gelangweilte Frau Léontine (Petra von der Beek) immerhin dazu verleitet, sich von seinem Freund Moricet (Steffen Reuber) verführen zu lassen, um die Untreue des Ehemanns zu rächen.Cassagne (Rupert J. Seidl) aber setzt einen Polizisten darauf an, die eigene Gattin in flagranti zu ertappen. Affären, so die Botschaft, sind nicht weiter schlimm - solange sie nicht publik werden und so den guten Ruf der beteiligten Personen gefährden.

Ohne Körperkontakt

Aber schon überraschend, wie rational, planmäßig und ohne jegliche Form von Körperkontakt (!) es in Mülheim dabei abgeht. Gefühlsregungen bleiben draußen, so wie die dekorativ hinter einer Glaswand fallenden, von Hereinkommenden abgeschüttelten Regentropfen.Die fein agierenden Schauspieler lassen die Komik ihrer Dialoge wie Gourmets auf der Zunge zergehen. Das eigentliche Fazit des Abends aber könnte von Loriot stammen: "Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen."

Termine: 21.9., 25. / 26. 10..; Karten: (02 08) 599 01 88.

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