Mahnendes Symbol

BOCHUM "Ich habe eine Beule": So beginnt die Verwandlung in ein Nashorn - zumindest in Eugène Ionescos Stück "Die Nashörner".

von Von Johannes Groß

, 03.02.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Unter der Regie von Karin Freymeyer brachte eine vorwiegend studentische Theatergruppe am Freitag die Parabel auf zu viel Obrigkeitstreue und Anpassung auf die Bühne des Musischen Zentrums.Franz Behringer (brillant: Dominik Hertrich) ist verwirrt. Doch das liegt nicht nur an seinem übermäßigen Alkoholkonsum. Seitdem ein Nashorn wild schnaufend durch die Stadt getrampelt ist und die Katze von Frau Ochs (Irene Gottwich) zertrampelt hat, versteht er die Welt nicht mehr.

Vernunft

Sein bester Freund Hans (Alexander Czechowicz) versucht, rational zu bleiben, dem Chaos keine Chance zu geben - bis er selbst im Stile des Comic-Helden Hulk zum Nashorn mutiert. Auch der Logiker Wisser (Daniel-Pascal Zorn) und sein gewissenhafter Kollege Stech (Suung Won) können trotz zur Schau getragener Vernunft der um sich greifenden Rhinozeros-Manie nicht enfliehen. Allzu naiv um den Ernst der Lage zu erkennen sind auch die Ladeninhaberin (Sonja Klaverkamp) und die exorbitant oberflächliche Kellnerin (Füsun Cibir). Ionescos Parabel auf die militärisch geprägte Politik des Frankreich der späten Fünfziger Jahre lässt sich auf jede Form der übermäßigen Anpassung in einer Gesellschaft übertragen. Neben Franz hält seine Liebschaft Daisy (Diana Brandstätter) am längsten stand, um ihn am Ende alleine zu lassen. "Hör mir auf mit unserer Moral" hat sein Freund Hans ihn noch angebrüllt.

Konflikt

Behringer "will diese Situation nicht anerkennen" und gerät in Konflikt mit seiner Chefin: "Wo fängt Anormalität an, wo hört Normalität auf?" fragt Frau Schmetterling (Indra Schweer) und bringt die Botschaft des witzigen und abwechslungsreich inszenierten Werkes auf den Punkt. Was kann man tun, wenn alle unreflektiert einer mitreißenden Bewegung folgen? Behringer gibt die Antwort selbst und manifestiert den Widerstand des Intellekts in sich: "Ich kapituliere nicht!".