„Mainz bleibt Mainz...“ Obermessdiener liest AfD die Leviten

Karneval in NRW

Mit einer engagierten Büttenrede bei der TV-Sitzung „Mainz bleibt Mainz“ landet Andreas Schmitt einen Internet-Hit. Gauland und Co. bekamen ordentlich ihr Fett weg.

Mainz

von Matthias Schwarzer

, 22.02.2020, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
19.02.2020, Rheinland-Pfalz, Mainz: Sitzungspräsident Andreas Schmitt steht als "Obermessdiener" in der Bütt. Die Generalprobe zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ fand im Kurfürstlichen Schloss statt und wird am kommenden Freitag vom ZDF im Fernsehen übertragen. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit

19.02.2020, Rheinland-Pfalz, Mainz: Sitzungspräsident Andreas Schmitt steht als "Obermessdiener" in der Bütt. Die Generalprobe zur Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ fand im Kurfürstlichen Schloss statt und wird am kommenden Freitag vom ZDF im Fernsehen übertragen. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit © picture alliance/dpa

Andreas Schmitt als „Obermessdiener am Hohen Dom zu Mainz“ ist ein Klassiker in der Bütt bei der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. Der Redner nahm sich am Freitagabend mal wieder die Rechten vor und wetterte auch gegen die AfD. Das brachte dem Sitzungspräsidenten der vom ZDF übertragenen TV-Sitzung im Kurfürstlichen Schloss Ovationen ein.

In den Folgestunden wurde die Rede zum Internet-Klickhit. Schmitt ist für die SPD im Stadtrat von Nieder-Olm, zehn Kilometer südlich von Mainz.

Als „Obermessdiener“ sagte er an die Adresse von Neonazis: „Die Morde von Hanau, die Schüsse auf die Synagoge in Halle - ob Juden, Christen, Muslime, das war ein Angriff auf alle. Wir leben hier zusammen, die Demokratie wird triumphieren, dieses Land werdet ihr niemals regieren.“

„Demokratie beibringen, den Pommeranze, eher lernste ne Wildsau Lambada tanze.“

Zunächst hatte Schmitt gesagt, jede Fußballmannschaft habe ihre Seniorenmannschaft, „die alten Herrn“. Auch Parteien haben sowas, führte er aus, „bei der AfD denkt so mancher, dort war’s die SS“. „Wie ich denen ihren Bundesreichsparteitag im Fernseh betracht, da hätt Leni Riefenstahl auch noch einen Film draus gemacht.“

Gegen Gauland und Co. sagte Schmitt außerdem: „Demokratie beibringen, den Pommeranze, eher lernste ne Wildsau Lambada tanze.“

Er habe eine Botschaft, redete sich der Büttenredner in Rage: „Die Demokratie, die werden wir schützen, eure Gesinnung wird euch nix nützen. Unsere Kinder werden nicht mehr für euch erfrieren, auf keinem Schlachtfeld mehr krepieren, und auch nicht kämpfen bis zuletzt, während ihr euch in den Führerbunker setzt. Sie vor euch zu schützen ist erste Bürgerpflicht, Mainz ist weltoffen, ihr nehmt uns die Freiheit nicht. Solltet ihr für jedes Naziopfer eine Schweigeminute gestalte, müsstet ihr 38 Jahr‘ lang eure Schandmäuler halte. Es war millionenfacher Völkermord, ihr braunen Wichte, und kein Vogelschiss der deutschen Geschichte. Die Morde von Hanau, die Schüsse auf die Synagoge in Halle - ob Juden, Christen, Muslime, das war ein Angriff auf alle. Wir leben hier zusammen, die Demokratie wird triumphieren, dieses Land werdet ihr niemals regieren.“

„Nicer Typ“: Schmitt erntet viel Lob bei Twitter

Für seine Worte gab es in den Stunden danach viel Lob bei Twitter. Der Youtuber Rezo etwa schrieb: „Wenn die Lines an Karneval mehr hitten als die Lines der halben Deutschrap-Szene. Nicer Typ.“

Jan Böhmermann teilte einen Clip mit der Rede auf seinem Twitter-Account, der Autor und Moderator Micky Beisenherz twitterte: „Wie absolut verrückt diese Zeiten sind, erkenne ich daran, dass ich plötzlich anfange, Büttenreden zu teilen.“

Auf den Tweet eines Nutzers („Tja, schon komisch, wenn man merkt dass da im Karneval, dem man mit Hohn und Spott begegnet, doch ganz ordentliche Leute gute Sachen machen, was?“) antwortete Beisenherz sarkastisch: „Keine Sorge. Es bleibt für mich trotzdem weitestgehend beschissen.“

Die frühere Grünen-Chefin Simone Peter twitterte: „Politische Fassenacht erster Güte. Danke, Andreas Schmitt, und ein dreifach donnerndes Helau nach Meenz!“

Natürlich gab es auch andere Meinungen. So regten sich einige auf: „Warum müssen ALLE für diese linken Hetzreden bezahlen?“, „Warum brüllt der Dicke so?“ oder „Ich hoffe die AfD verklagt ihn...“.

RND/dpa

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