Malbücher sollen Erwachsene entspannen - aber klappt das?

Selbstversuch

Malbücher für Erwachsene liegen im Trend. Tierbilder, Gartenmotive oder Mandalas - ausgemalt wird alles, was gefällt. Je kleinteiliger und filigraner das Motiv, desto größer die Konzentration - und die Entspannung. Natasa Balas hat sich an das neue Hobby gewagt.

DORTMUND

, 30.03.2016 / Lesedauer: 3 min
Malbücher sollen Erwachsene entspannen - aber klappt das?

Schön bunt, oder? Natasa Balas hat ihr erstes Blatt ausgemalt – und griff schließlich doch zur seit der Kindheit verhassten Farbe Orange.

Ich muss gestehen: Ich freue mich auf diesen Selbstversuch. Das Buch mit dem Titel "Zauberhafte Gartenträume" aus dem Tandem-Verlag liegt auf dem Tisch, die Box mit den zwölf Buntstiften daneben.

Weil ich irgendwann mal gehört habe, dass Musik die Kreativität anregt, läuft auch noch eine CD nebenher. Ich überlege, welches Getränk ich mir am besten dazustelle - die richtige Antwort liegt vermutlich irgendwo zwischen Fencheltee und Apfelsaft. Ich entscheide mich für Weißwein. Ich schlage das Buch in der Mitte auf und wähle ein Motiv per Zufall aus - es werden Blumen. Ich möchte mit der Farbe Lila anfangen und merke, dass mein Malkasten diese nicht hergibt. Dann halt Rot.

Verloren in der Kreativität

Dass Malbücher für Erwachsene so sehr boomen, zeige, dass das Bedürfnis der Menschen sehr hoch ist, "sich in Kreativität zu verlieren", erklärt Steffi Brune vom Tandem-Verlag. Das fertige Bild erzeuge ein gutes Gefühl, ein kreatives Erfolgserlebnis.

Ich kann das Argument, beim Malen gut abschalten zu können, nachvollziehen. Das kratzende Geräusch der Stifte auf dem Papier, der Duft von Holz und Farbe - das alles erinnert (vom Wein mal abgesehen) an Kindheit. Und das ist schön. Der Trend zu den Malbüchern für Erwachsene sei aus den USA und Frankreich nach Deutschland geschwappt und sorge seit zwei Jahren für eine große Nachfrage. Besonders beliebt sind dabei Garten- und Tiermotive sowie Mandalas. "Die Natur hat der Mensch schon immer als entspannend wahrgenommen, dementsprechend liegt die Wahl der Pflanzenmotive auf der Hand", sagt Steffi Brune.

Plötzlich wieder in der ersten Schulklasse

Ich bin inzwischen bei den Blättern angekommen, und nehme mir einen dunkelgrünen Buntstift - dessen Mine abbricht. Bevor ich in den Schreibtischschubladen suche, frage ich meinen Freund: "Hast du noch irgendwo einen Anspitzer?" "Nein, aber ich gehe ja auch nicht plötzlich wieder in die erste Klasse", lautet seine Antwort. Gut, das war wohl nichts. Nach kurzem Kramen werde ich fündig, außerdem finde ich noch ein paar Filzstifte. Es kann weiter gehen.

Es gebe, so erklärt es die Pressereferentin des Verlags, schon lange einen Trend zum Selbermachen. Bei den Malbüchern gehe es aber mehr ums "sich entspannen", "sich verlieren".

Orange ist mir verhasst

Während ich weiter male und mich nicht wirklich verliere, fällt mir aber etwas auf: Auch nach mehr als 20 Jahren ist Orange immer noch die scheußlichste Farbe im Buntstift-Kasten. Niemals würde ich etwas damit ausmalen. Nicht mal Orangen.

Als ich mein erstes Bild ausgemalt habe, weiß ich nicht so wirklich, was ich davon halten soll. Ich verstehe, warum Menschen sich dieses Hobby aussuchen. Ich kann mir vorstellen, dass es einen entspannt. Ich weiß, aber beim besten Willen nicht, was ich mit den fertigen Bildern machen soll. Verschenken? Aufhängen? Oder Besuchern präsentieren mit den Worten: "Du glaubst gar nicht, wie entspannt ich war, nachdem ich diese Blume ausgemalt habe"!?

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