Maler Anton Henning liebt die Simpsons

Kunsthalle Recklinghausen

Seine Gemälde sind ganz altmeisterlich in Öl gemalt, die braun-grünen Farbtöne erinnern an Spätrenaissance oder Barock. Und die Motive? Da darf es auch mal gern Homer Simpson sein, der Antiheld aus dem Fernsehcomic. "Das ist das Beste, was derzeit aus Amerika kommt", sagt der Maler Anton Henning.

RECKLINGHAUSEN

, 03.03.2017, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine ganz schön schräge, aber sehr sehenswerte Schau zeigt die Kunsthalle Recklinghausen unter dem Titel "95 hypermanische Paraphrasen". Was das heißt? Paraphrasen sind Umschreibungen, Umformulierungen - und tatsächlich fasst Henning Motive wie Tizians berühmtes Bild von Papst Leo X. oder Lucas Cranachs Luther-Porträt neu und anders.

Auch die "95" im Titel bezieht sich auf Luthers Thesen, nur dass Henning wohl gegen die herrschende Kunst zu Felde zieht. Wirklich ins Herz der Schau trifft aber der Begriff manisch. Denn "krankhaft heiter" - höchst ironisch gemeint - sieht Henning die Wirklichkeit.

Serie über Homer Simpson

Er malt keine Menschen, sondern verzerrt sie zu fleischfarbenen Geschöpfen, Würmern, Tröten oder einer Art Darm. Ein Surrealismus der eigenen Art, witzig und wunderlich. Indem er diesen Wesen Augen oder (meistens zwei) Zähne verpasst, werden sie zu Charakteren, die uns anglotzen oder auch mal - wie im Triptychon "Vanitas Vanitatum" von 2015 - eine Zigarette rauchen.

In der ersten Etage zeigt Henning in seiner Serie über Homer Simpson, wie so ein Porträt außer Rand und Band gerät und schließlich in einem surrealen Knoten aus Tröten endet. "Die Simpsons haben etwas tief Philosophisches und sogar etwas Religiöses", sagt Henning. Er lernte den Comic kennen, als er in New York lebte. "Es geht darin immer um Vergebung."

Glasbild ist Höhepunkt

Auch in Hennings Ausstellung, für die er die Kunsthalle in mystisches Dunkel getaucht hat, geht es trotz aller Heiterkeit um die großen, klassischen Themen der Malerei - den Tod, die Sünde, die Familie. Eine Arbeit, die von einem Ventilator in Schwung gehalten wird, lässt ein Selbstporträt und einen Totenkopf miteinander verschwimmen.

In der ersten Etage hat der 52-Jährige aus den sieben Todsünden ein gigantisches Hinterglasbild geschaffen, der absolute Höhepunkt der Schau. Und die zahlreichen Porträts haben "ganz viel Familiäres", sagt der Künstler, der auf dem Land in Manker (Brandenburg) lebt. Man glaubt es gern, wenn man das aufgeregte Geschlinge und Getröte auf seinem Gemälde "Die Konfirmation" sieht.

Kunsthalle Recklinghausen:„Anton Henning – 95 hypermanische Paraphrasen“, bis 17. 4.17, Große-Perdekampstraße 25-27, Di-So und an Feiertagen 11-18 Uhr, am Ostermontag geöffnet. Weitere Infos .

 

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