Maler Wilhelm Leibl trifft auf Fotograf August Sander

Wallraf-Richartz-Museum Köln

Sie sind sich zu Lebzeiten nie begegnet. Erst im Wallraf-Richartz-Museum trifft der Maler Wilhelm Leibl nun endlich auf den Fotografen August Sander – von Angesicht zu Angesicht.

KÖLN

von Von Bernd Aulich

, 27.05.2013, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wallraf-Richartz-Museum: „Von Mensch zu Mensch – Wilhelm Leibl & August Sander“, bis 11. 8., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, Obermarspforten, Köln. Katalog: 22 Euro. 

Die Fülle an thematischen Bezügen und an Parallelen in der Motivwahl erscheint frappierend. Und spannend wirkt schon die Lektion zur heiklen Beziehung zwischen einer Malerei, die sich fotografischer Vorlagen bedient, und einer lange um die Anerkennung als künstlerischer Gattung ringenden Fotografie, die ihre Bildsprache großen Vorbildern der Malerei entlehnt. Aufschlussreich ist ein Porträt, mit dem Sander 1904 seine Frau Anna inszenierte. Die liebreizende junge Dame blättert mit anmutig gesenktem Haupt wie in einem Vermeer-Gemälde in einem Rembrandt-Katalog.

Direkt daneben hängt ein Porträt Anna Sanders als Gummidruck, mit dem der Fotograf versuchte, sein Genre als Kunst zu etablieren. Es gleicht verblüffend Leibls 1899, vier Jahre zuvor, entstandener schwarzer Kreidezeichnung „Bauernmädchen mit Hut“. In seiner Lichtführung bedient sich Leibl geradezu fotografischer Techniken. Beide Darstellungen sind von Schwermut gezeichnet.

Köstlich wirkt die Begegnung von Leibls mondäner „Junger Pariserin“ mit Sanders „Tenor“ von 1928, der sich pathetisch in Pose wirft. Zu den neun Kapiteln mit Themen wie „Posen“ oder „Melancholia“ zählt die Darstellung der Väter. Der 22-jährige Leibl hat seinen alten Herrn, den Kölner Domkapellmeister Karl Leibl, 1866 mit skeptischem Blick porträtiert. Der 26-jährige Sander lichtete seinen Vater 1902 mit gefurchten Brauen vor dem Scheunentor im Westerwald ab.

Leibls „Weißbärtiger Alter“ zeigt eine brillante Ausdrucksschärfe. Diesen Künstler mit seiner verfeinerten Palette wegen seiner bäuerlichen Interieurs als Genremaler abzutun, greift völlig daneben. Auch der Fotograf Sander besaß eine Vorliebe für Bauern-Porträts. In seiner berühmten Stamm-Mappe, die hier komplett aufgeblättert wird, werden Bauern gar als Philosophen und Weise vorgestellt.  

Wallraf-Richartz-Museum: „Von Mensch zu Mensch – Wilhelm Leibl & August Sander“, bis 11. 8., Di-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr, Obermarspforten, Köln. Katalog: 22 Euro. 

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