Maler Yury Kharchenko auf der Spur seiner Ahnen

Alte Synagoge Essen

Was den Maler Yury Kharchenko brennend beschäftigt, zeigt sich den Besuchern beim ersten Schritt in die Alte Synagoge in Essen, ohne es wirklich auszusprechen - die Suche nach seiner eigenen Identität.

ESSEN

, 27.04.2017 / Lesedauer: 2 min
Maler Yury Kharchenko auf der Spur seiner Ahnen

Yury Kharchenko im Zentrum seiner Ausstellung vor dem Altar der Alten Synagoge in Essen.

Vor dem großen Altar hat Kharchenko die Protagonisten, den Kern seiner Ausstellung versammelt. Der wichtigste von ihnen steht im Zentrum: Herschel Grynszpan, mit Öl auf Leinwand. Über ihm, auf dem Altar, thront ein großformatiges, brennend rotes Ölgemälde. Was bedeutet diese Anordnung?

Familienwurzeln gehen auf jüdischen Attentäter zurück

Die Beweggründe des Malers werden klarer, beschäftigt man sich mit seiner Geschichte. Nach eigenen Angaben gehen seine familiären Wurzeln wahrscheinlich auf Herschel Grynszpan zurück. Der Pole jüdischen Glaubens verübte am 9. November 1938 ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath. Die Tat diente den Nazis schließlich als Vorwand für die Reichspogromnacht und die Ermordung hunderter Juden.

In seinen 15 ausgestellten Werken spielt Kharchenko mit seiner Ahnenrecherche und greift die jüdische Geschichte auf. Das leuchtende Gemälde auf dem Altar könne etwa die Vernichtung und Leiden der Juden bedeuten, sagt Kharchenko. Auch trägt die Alte Synagoge als Ausstellungsort für ihn wesentlich zur Wirkung der Arbeiten bei.

Bunte Bilder der Heimat oder der Gefangenschaft

Auf der Empore werden die Arbeiten bunter. Die vielen Farben hat Kharchenko die Leinwände herunterlaufen lassen. Drumherum zeichnete er einen hausförmigen Rahmen. Kharchenko: "Unten haben wir das Drama als Thema. Hier könnte es auch Freude oder Heimat heißen." Die Rahmen könnten aber auch Gefangenschaft bedeuten, sagt er. Ein Kontrast zwischen Tragödie und Freude ist nicht zwingend.

Alte Synagoge Essen: "Yury Kharchenko", Eröffnung am 7.5. um 17 Uhr, bis 9. Juli, Edmund-Körner-Platz 1, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt frei. www.alte-synagoge.essen.de