Malkovich spielt den Massenmörder Jack Unterweger

"The infernal comedy"

RECKLINGHAUSEN Ein Amerikaner mit dem Akzent eines Österreichers. John Malkovich verkörpert Jack Unterweger, Schriftsteller, Liebling der Damen - und Massenmörder. "The Infernal Comedy" ist ein Spagat zwischen Beinahe-Lesung, Monolog, Mini-Szenen, Opern-Splittern.

von Kai-Uwe Brinkmann

, 04.06.2010 / Lesedauer: 2 min
Malkovich spielt den Massenmörder Jack Unterweger

Als Mörder auf der Bühne: John Malkovich würgt Laura Aikin.

Malkovich hebt zu einer Lebensbeichte an, die Biografisches mit Küchenpsychologie vermengt. 15 Jahre wegen Mordes inhaftiert. Im Knast die Schriftstellerei entdeckt. Zum literarischen Wunderkind avanciert, dank Petition und Protektion aus der Haft entlassen. Neue Morde. Seine abartige Seite hatte nur geschlummert. Vom Scheusal zum Schöngeist und zurück. Den Lebensweg hätten wir auch googeln können. Unterwegers Motive? Irgendwie ist ja immer die Mama schuld. Klingt banal, wie aus der Fibel für Kriminal-„Profiler“.

Die Sängerinnen sind Archetypen aller Frauen. Erst von Malkovich liebkost, dann gewürgt. Das Abgründige, Pathologische steht ihm gut. Dennoch ist der Abend ein Flop, das Konzept trägt nicht. Text, Musik, Würge-Szene, Musik, Text. Dramaturgisch eine Nullnummer ohne Spannung, ohne Schaudern. Weder Fisch noch Fleisch, weder Theater noch Oper. Bloß Häppchen von beidem. Für Mozart gehen wir ins Konzert, und in Sachen Täter-Psyche ist jede TV-Serie prickelnder. Nicht Malkovichs Schuld, warmer Applaus für ihn.