Mama, wo ist Papa?

Aalto-Theater

. Die Barockoper kannte die Rachearie, Richard Strauss aber komponierte mit seiner "Elektra" eine ganze Racheoper. Am Samstag hatte sein ebenso düsteres wie packendes Werk als Koproduktion mit der Opera Vlaanderen Antwerpen/Gent am Aalto-Theater in Essen Premiere.

ESSEN

, 20.03.2016, 13:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Mörderin Mutter und Rächerin Tochter: Klytämnestra (Doris Soffel, l.) mit Elektra (Rebecca Teem)

Mörderin Mutter und Rächerin Tochter: Klytämnestra (Doris Soffel, l.) mit Elektra (Rebecca Teem)

In der Titelrolle debütierte die Amerikanerin Rebecca Teem, die im Essener Aalto-Theater bereits erfolgreich als Brünnhilde und in Dortmund als Isolde gastiert hat.

Die Zuschauer blicken in eine überdimensionale, blutverschmierte Badewanne, ausgestattet mit Kinderstühlchen und Trauerkerzen (Bühnenbild: Patrick Bannwart und Maria Wolgast) - auf der Rückwand die Frage: "Mama, where is Papa?" Besser kann man den Grundkonflikt der Oper nicht in einem Bild zusammenfassen, wurde Vater Agamemnon doch einst im Bade von seiner Frau Klytämnestra ermordet, und unter den Spätfolgen dieses traumatischen Erlebnisses leiden die Kinder immer noch.

Wut, Hass und Rache

Und während sie vor allem bei Elektra Wut, Hass und Rachegelüste auslösen, bescheren sie Mutter Klytämnestra Albträume und Angstzustände. David Bösch, der seine Karriere ja als Schauspielregisseur in Essen und Bochum begann, erzählt die Geschichte mit archaischer Wucht und zugleich psychologisch differenziert.

Sein Sängerdarsteller-Team wird in Essen angeführt von zwei ausdrucksstarken Heroinnen: Rebecca Teem als Elektra, barfuß, offenes Haar, weißes Kleidchen, verfällt tanzend dem Wahnsinn und berauscht sich durch Blut an ihren Händen. Die Sopranistin zeigt dabei eine enorme Bühnenpräsenz und eine "Wahnsinnsstimme", deren Variationsbreite vom hochdramatischen Aufschrei bis zur lyrischen Kantilene reicht.

Die renommierte Mezzosopranistin Doris Soffel gibt die Klytämnestra als exaltierte schwarze Hexe, die sich durch das Blut der von ihr geschlachteten Tiere Linderung ihrer Leiden erhofft. Dabei bewältigt die 67-Jährige die anspruchsvolle Partie, mit der sie vor 20 Jahren bei den Salzburger Festspielen debütierte, immer noch mit Bravour.

Herausragende Produktion

In kleineren Rollen glänzen Katrin Kapplusch als Elektras Schwester Chrysothemis und Almas Svilpa als Bruder Orest. Die groß besetzten Essener Philharmoniker unter Generalmusikdirektor Tomas Netopil machen das musikalische Glück durch intensivste Dramatik und berauschende Klänge vollkommen.

Eine herausragende Produktion, die sich kein Opernfreund entgehen lassen sollte!

Termine: 23./26.3., 3./ 7./16.4., 22./29.5.; Karten: Tel. (0201)8122200.

Lesen Sie jetzt