Mann gegen Mann mit historischen Waffen

Moderne Gladiatoren

Beim Jugger wird der Gegner anvisiert und mit feindlichen Blicken taxiert. Acht Männer stehen sich beim Mittelalter-Rugby gegenüber – und schenken sich nichts.

BOCHUM

von Von Nathalie Arendt

, 18.11.2011, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Bochumer Jugger-Mannschaft.

Die Bochumer Jugger-Mannschaft.

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Mittelalter-Rugby in Bochum

Beim Jugger, einer Mischung aus Rugby und Gladiatorenkampf, geht es mit historisch anmutenden Waffen zur Sache.
18.11.2011
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Jugger beim Kampf mit Kette und Pompfe.© Foto: Nathalie Arendt
Beim Angriff sind die Jugger nicht zimperlich.© Foto: Nathalie Arendt
Hier wird der Takt vorgegeben.© Foto: Nathalie Arendt
Vor dem "Kampf" wärmen sich die Jugger ausgiebig auf.© Foto: Nathalie Arendt
© Foto: Nathalie Arendt
Vor dem "Kampf" wärmen sich die Jugger ausgiebig auf.© Foto: Nathalie Arendt
Die Bochumer Jugger-Mannschaft.© Foto: Nathalie Arendt
Vor dem "Kampf" wärmen sich die Jugger ausgiebig auf.© Foto: Nathalie Arendt
© Foto: Nathalie Arendt
Vor dem "Kampf" wärmen sich die Jugger ausgiebig auf.© Foto: Nathalie Arendt
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Was sich wie eine Szene aus „Braveheart“ anhört, ist in Wirklichkeit eine Sportart namens „Jugger“. Und hier spielt der Jugger-Haufen Bochum eines seiner Trainingsspiele. Die historisch wirkenden Waffen heißen Pompfen und sehen nur gefährlich aus, sind aber an den Schlag-Enden dreifach gepolstert. Jugger verspricht Spaß statt Schmerzen.

Thomas ist der Kapitän der Mannschaft. Er hat sich seinen Haufen 2010 zusammengesucht und seitdem 24 Mitspieler gesammelt: „Viele Leute gucken uns zu, wenn wir im Park trainieren. Sie sind erst skeptisch, dann neugierig und meistens spielen sogar ein paar von ihnen mit oder kommen zu unserem Training.“ Der sportliche 23-Jährige hat den Jugger bei dem Besuch einer Freundin in Jena erst kennen und dann lieben gelernt. Denn der Sport ist nicht so barbarisch wie er aussieht. Auch wenn er eine Mischung aus Rugby und Gladiatorenkämpfen sowie einem Hauch Fechtkunst ist.

Das Spiel funktioniert so: Eine Mannschaft besteht aus vier Pompfenspielern und einem Läufer. Der Läufer muss versuchen den „Jug“ ins gegnerische Tor (Mal) zu legen. Die Pompfenspieler halten ihm dabei den Rücken frei, indem sie die Gegner durch ihre Angriffe ablenken. Wird ein Spieler getroffen, muss er für fünf Steine (jeweils 1,5 Sekunden) pausieren. Ist ein Tor gefallen, stellen sich die Mannschaften wieder an der Startlinie auf, und der nächste Angriff beginnt nach dem Schlachtruf „3,2,1 Jugger“. Während des Spiels wird (meist mit einer Trommel) die Länge eines Steines geschlagen, damit die Spieler sich orientieren können wie lange ihre Pause ist. Dabei kommt es vor allem auf Fairness an, denn jeder muss so ehrlich sein und seine Pause einhalten.

Vorlage für das ungewöhnliche Spiel ist der 1989 erschienene Film „Die Jugger – Kampf der Besten“. Gedreht wurde der in Australien, aber erst Deutsche haben Jugger zum Sport gemacht. Mittlerweile gibt es rund 130 Vereine und sogar eine eigene Jugger-Liga. Auch der Bochumer Jugger-Haufen nimmt seinen Sport sehr ernst: „Viele glauben irrtümlich, der Sport komme aus der Rollenspielszene und stempeln ihn dann als Nerd-Freizeitbeschäftigung ab. Aber das, was wir tun, ist richtiger Sport. Es geht darum, sich auszupowern, sich zu bewegen und zu trainieren“ so Jan, einer der Jugger-Spieler. Die Bochumer Jugger sind eine bunt gemischte Mannschaft. Die Altersspanne reicht von 13 bis 33 Jahre und auch Frauen sind im Team vertreten. Zwischen den Spielern ist eine freundschaftliche Stimmung zu spüren.Und gerade der Mannschaftsgedanke und das Miteinander ist den Juggern wichtig: „Das Tolle ist, dass man im Vergleich zu anderem Teamsport auf jeden Spieler angewiesen ist, weil die Mannschaften so klein sind. Es ist nicht nur einer am Zug, sondern jeder hat die ganze Zeit alle Hände voll zu tun,“ schwärmt Jugger-Fan Xing Liu. Da wird auch die Reporterin neugierig, schnappt sich eine Pompfe und spielt ein paar Runden mit. Die Pompfe ist fast federleicht. Auch wenn man eine Pompfe abbekommt, tut dass überhaupt nicht weh. Es macht tatsächlich Spaß, auch als Anfänger. Die Begeisterung der Spieler ist schnell nachzuvollziehen. „3,2,1 Jugger“.  

Training
Neue Spieler sind beim Jugger-Haufen gerne gesehen. Das Training findet jeden Mittwoch zwischen 18 und 20 Uhr in der Turnhalle der Helene-Lange-Realschule, Feldsieperstraße 94 statt.