Mann stirbt nach brutalem Polizeieinsatz in Belgien – Beamte tanzen und zeigen Hitlergruß

Kriminalität

Jetzt veröffentlichte Videos eines brutalen Polizeieinsatzes in Belgien sorgen für Entsetzen. Ein Beamter sitzt minutenlang auf dem Brustkorb eines Mannes, eine andere zeigt den Hitlergruß.

Brüssel

21.08.2020, 07:16 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Opfer verstarb in einer Arrestzelle am Flughafen Charleroi in Belgien.

Das Opfer verstarb in einer Arrestzelle am Flughafen Charleroi in Belgien. © picture-alliance/ dpa

Es sind Bilder, die Erinnerungen an den gewaltsamen Tod von George Floyd wecken: Vor zwei Jahren starb der Slowake Jozef Chovanec an den Folgen eines Herzinfarkts, den er in einer Arrestzelle am Flughafen Charleroi erlitten hatte. Videos, die jetzt an die Öffentlichkeit gelangt sind, zeigen, wie ein Polizist 16 Minuten lang auf der Brust des Mannes sitzt. Währenddessen scheinen andere Beamte zu lachen und zu tanzen, eine Polizistin zeigt den Hiltergruß. Die Aufnahmen sorgen in Belgien für Entsetzen.

„Als ich die Videos über die Verhaftung des Amerikaners George Floyd sah, dachte ich sofort: Mein Mann ist auf die gleiche Weise gestorben“, sagte Henrieta Chovancova (40) der Zeitung „Het Laatste Nieuws“, die die Videos öffentlich machte.

Offizielle Todesursache: Herzinfarkt

Dem Bericht zufolge wurde Jozef Chovanec im Februar 2018 am Flughafen Charleroi festgenommen, nachdem er in einem Flugzeug randaliert hatte. In der Arrestzelle begann er, seinen Kopf gegen die Wand zu schlagen, bis er blutete – das ist auch in den veröffentlichten Aufnahmen zu sehen. Das Video zeigt, wie Polizisten den Mann später fixieren, sich einer der Beamten auf seine Brust setzt und eine andere Polizistin den Hitlergruß zeigt.

Chovanec wurde den Angaben zufolge später in ein Krankenhaus eingeliefert, fiel jedoch ins Koma und starb am nächsten Tag. Offiziell festgestellte Todesursache sei ein Herzinfarkt gewesen, berichtet „Het Laatste Nieuws“.

„Ich möchte wissen, was passiert ist“

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagten die Anwälte der Witwe, Henrieta Chovancova habe das Video gegen deren Rat veröffentlicht. „Unsere Mandantin wollte diese Bilder der Welt zeigen, weil sie kein Vertrauen in die strafrechtlichen Ermittlungen hat“, sagte einer der Anwälte laut AFP. Chovancova habe sich nicht von der Veröffentlichung abhalten lassen, da sie wegen der inzwischen seit zwei Jahren andauernden Ermittlungen frustriert sei. „Ich möchte wissen, was passiert ist und warum die Polizei sich so verhalten hat“, sagte Henrieta Chovancova gegenüber der Zeitung „Het Laatste Nieuws“.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft von Charleroi sagte laut BBC, alle an dem Vorfall beteiligten Beamten seien befragt worden, fügte jedoch hinzu, dass aufgrund der Corona-Pandemie „eine Verzögerung“ bei den Ermittlungen eingetreten sei. Ein Polizeisprecher sagte dem Portal „Sudinfo“, dass die Polizistin, die den Hitlergruß zeigte, am Donnerstag entlassen worden sei.

Der belgische Innenminister Pieter de Crem sagte, die Bilder seien „äußerst schockierend“ und „offensichtlich unverhältnismäßig“. Es sei Sache der zuständigen Polizeiinspektion, zu entscheiden, welche Maßnahmen gegenüber den beteiligten Beamten ergriffen werden müssten.

RND/seb

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