Marc Elsbergs Krimi auf der Bühne in Castrop-Rauxel: Wer hat das Licht abgedreht?

Westfälisches Landestheater

Das Westfälische Landestheater bringt mit „Blackout“ einen Krimi auf die Bühne, der das Szenario eines weltweiten Stromausfalls beschwört – und nachdenklich macht.

Castrop-Rauxel

, 06.10.2019, 16:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marc Elsbergs Krimi auf der Bühne in Castrop-Rauxel: Wer hat das Licht abgedreht?

Ex-Hacker (Mario Thomanek, r.) und Polizist (Burghard Braun) halten Ausschau nach den Saboteuren. © Volker Beushausen

Wie sehr unser Leben am Faden der Elektrizität hängt, merkt man, wenn der Strom mal weg ist. Ein paar Stunden halten wir durch. Das Eisfach kühlt nach, Kerzen sind zur Hand, statt der Glotze kommt halt ein Brettspiel zum Einsatz.

Was aber, wenn wir tagelang keinen Saft haben? Wenn Notstromaggregate in Atomkraftwerken und Krankenhäusern nach Diesel lechzen? Marc Elsbergs Roman „Blackout“ beschreibt ein apokalyptisches Szenario. Terroristen sabotieren die Stromversorgung, die Zivilisation blickt in den Abgrund.

Lehrstück über unsere Abhängigkeit von der Steckdose

Thomas Tiberius Meikl hat aus 800 Buchseiten eine Theaterfassung destilliert, die er mit Co-Regisseur Maximilian von Ulardt am Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel in Szene gesetzt hat: Halb Thriller aus der „Whodunit“- (Wer hat’s getan) Schule, halb Lehrstück über unsere Abhängigkeit von der Steckdose. Und ein Weckruf, der nachdenklich macht über unseren Hang zu Stromfressern.

Mario Thomanek spielt einen italienischen Ex-Hacker, der zuerst den Braten riecht, als die Lichter ausgehen. Es ist kein lokaler Kollaps, da steckt System dahinter. Jemand hat die ach so smarten Steuergeräte vieler Haushalte manipuliert. Langsam schaltet auch der Chef von Europol (Burghard Braun) und engagiert den Italiener als Experten und Ermittler. Noch wiegt der Krisenstab um die Kanzlerin (Vesna Buljevic) die Bevölkerung in Sicherheit, doch davon kann keine Rede sein.

Eine Spirale der Eskalation

„Blackout“ beschreibt eine Spirale der Eskalation, die soweit reicht, dass Ärzte Schwerstpatienten einschläfern, weil sie ohne Strom nicht zu versorgen sind.

Meikls Bühnenbild besteht aus Gestänge und Podesten, die variabel bespielt werden. Mal stehen sie für Leitungen, die „geflickt“ werden, mal für Hindernisse, über die der Italiener türmt. Er wird von Europol als Drahtzieher verdächtigt, seine E-Mails klingen verräterisch. Internet und „smarter“ Strom – alles ist vernetzt und hochgradig angreifbar, begreifen wir. Aus dem Off raunen Stimmen von Öko-Terroristen, die der Welt eine Lektion erteilen.

Mitunter werden technische Diskurse zum Hemmschuh der Spannung, Action und Apokalypse (hier per Augenzeugen-Video) sind im Theater schwer abzubilden. Als Warnung vor der Fragilität der volldigitalen Moderne ist „Blackout“ allerdings eindringlich und sehenswert.

Termine: 16.10. in Lünen, 29.10. in Bottrop. www.westfaelische-landestheater.de
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