Marc Minkowski berührte mit einem dichten Abend

Konzerthaus Dortmund

Seit Marc Minkowski künstlerischer Leiter der Salzburger Mozartwoche ist, ist seine Liebe zu dem Klassik-Komponisten offenbar noch tiefer geworden. Am Donnerstag schenkte der 53-jährige Franzose dem Publikum im Konzerthaus Dortmund einen beeindruckenden, berührenden, dichten Mozart-Abend mit Werken aus den Monaten Mai bis Dezember aus Mozarts Todesjahr vor 260 Jahren.

DORTMUND

, 18.03.2016, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Marc Minkowski  bei einem früheren Auftritt in Dortmund.

Marc Minkowski bei einem früheren Auftritt in Dortmund.

Nahtlos fügte Minkowski mit seinen tollen "Musiciens Du Louvre" das Adagio für Glasharmonica, die Pamina-Trauerarie aus der "Zauberflöte" (tolle Stimme: Chiara Skerath) und das Klarinettenkonzert aneinander. Sehr wirkunsgvoll! Die Zuhörer mussten sehr die Ohren spitzen beim Adagio für Glasharmonika, die von einem Glockenspiel imitiert wurde. Aber dann hörten sie zarte, aparte Klänge - traumhaft schön. Es war ohnehin ein Abend der dynamischen Kontraste, denn Minkowski und seine Musiker mit den historischen Instrumenten sind Meister einer feinen Schattierungskunst.

Wie mit Samt ausgeschlagen

Das Klarinettenkonzert blies Nicolas Baldeyrou auf der Bassettklarinette, für die das Konzert auch komponiert ist. Und auf dem Instrument, das tiefer als eine moderne Klarinette klingt, klang der langsame Satz wie mit dunklem Samt ausgeschlagen.

Sturm fegte durch den Saal

Die "Titus"-Ouvertüre direkt vor dem Requiem war etwas ungewöhnlich. Aber Minkowskis Interpretation dieser Totenmesse (in der Fassung von Robbins Landon) mit dem fantastisch präsenten Kammerchor Des Paleau aus Spanien und vier guten Solisten war mit den flotten Tempi so zwingend, wie man es selten hört. Da fegte das "Dies irae" wie ein Sturm durch den Saal und das "Lacrimosa", in dem Mozarts Arbeit abbricht, war das intime, hochemotionale Herzstück des Werks. Mit dem angehängten "Ave verum" war dies ein berührender, intensiver Abend.

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