Marianne Brentzel bekommt den Literaturpreis Ruhr

Am 21. November

Die Dortmunder Autorin Marianne Brentzel wird mit dem Literaturpreis Ruhr 2014 ausgezeichnet. Sie ist bekannt geworden mit Biografien und Essays über historische Frauenpersönlichkeiten, darunter so unterschiedliche Charaktere wie Else Ury, Autorin der Kinder- und Jugendbuchreihe "Nesthäkchen", und die einstige DDR-Justizministerin Hilde Benjamin. Und drei weitere Autorinnen aus sder Region bekommen Förderpreise.

DORTMUND

04.11.2014, 12:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marianne Brentzel bekommt den Literaturpreis Ruhr

Marianne Brentzel bekommt den Literaturpreis Ruhram neuen Buch.

 

Eine mögliche Erklärung für das Interesse der Hauptpreisträgerin Marianne Brentzel (geb. 1943) an den unterschiedlichen Frauenleben in ihrem Werk findet sich im Roman „Rote Fahnen. Rote Lippen“ (2011), in dem sie unterhaltsam, präzise und mit unaufgeregtem autobiographischem Bezug den Weg einer Arzttochter zur Funktionärin einer maoistischen Gruppe und schließlich zur hartnäckigen Kämpferin für soziale Gerechtigkeit schildert.   Marianne Brentzel hat unter anderem über die österreichische Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim (Sigmund Freuds Patientin Anna O.), die italienische Jüdin Margherita Sarfatti (Künstlerin und Geliebte Mussolinis) geschrieben und kürzlich eine Sammlung von Essays über sieben Nelly-Sachs-Preisträgerinnen veröffentlicht.  

Frauke Angel (geb. 1974 in Essen, lebt in Dresden) beschreibt in ihrer Geschichte „Und samstags wird gebadet“ eine Mutter von drei Kindern aus dem Osten Deutschlands, die mit ihrer Familie ins Ruhrgebiet zurückkehrt; dort ist sie aufgewachsen, doch fast nichts ist mehr so, wie es vor 20 Jahren in der Kolonie noch war. In einem kleinen Kolonie-Museum des Ruhrgebietsalltags lässt sich der Abstand zwischen Gestern und Heute erfahren.   Die Jury schätzte besonders den eindringlich-zarten, zwischen leiser Melancholie und glasklarem Realismus pendelnden Ton der Geschichte.  

Merle Wolke (lebt in Berlin) wiederum fasste das Förderpreisthema „Schauplatz Museum“ in ihrem Text „Eintritt frei“ heiter bis satirisch auf: Zumpel, ein ehemaliger Rennfahrer und nun eine Art fliegender Hausmeister für die Museen des östlichen Ruhrgebiets, hat den Durchblick, er weiß, wie es hinter den Kulissen des Schein-Betriebs Museum zugeht. Und er nutzt sein Wissen, um in den Museen heimlich eigene Werke an die Wände zu hängen - eine Methode, die Zumpel ungeahnte Erfolge einbringen wird.   Dass sich die Satire in Merle Wolkes Geschichte nicht allzu weit von der Wirklichkeit unserer Museen entfernt hat, überzeugte die Jury vollends.  

Die Erzählung „White Cube“ von Sarah Meyer-Dietrich (geb. 1980, lebt in Bochum) handelt von Charlotte, einer Kunststudentin, die sich mit dem Mann einer Kuratorin einlässt. Eine entscheidende Rolle in dem  intelligent konstruierten Beziehungsgeflecht zwischen Kuratorin, Ehemann Peter und Charlotte spielt das Gemälde „Das Mädchen am Tisch“ von Max Pechstein, das Charlotte schließlich zerstört, als sie erkennen muss, dass Peter inzwischen eine neue Geliebte hat.   Sie veröffentlichte Gedichte, Erzählungen und Essays in Anthologien. Für ihre Texte erhielt sie schon zwei Auszeichnungen.

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