Mario Adorf erzählte gekonnt Anekdoten aus seinem Schauspielerleben

Schauspielhaus Bochum

85 ist Mario Adorf im September geworden. Vor der Kamera steht er weiterhin und hat nun auch ein weiteres autobiografisches Buch geschrieben: "Schauen Sie mal böse". Auf seiner Lesereise machte er am Wochenende im Bochumer Schauspielhaus Station.

BOCHUM

von Von Karsten Mark

, 01.11.2015, 13:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Schauspieler Mario Adorf machte auf seiner Leserreise Station im Bochumer Schauspielhaus.

Der Schauspieler Mario Adorf machte auf seiner Leserreise Station im Bochumer Schauspielhaus.

"Sie werden sich vielleicht fragen: Warum macht der das hier noch?" Die Antwort, die der Mime gleich hinterherschickt, ist nicht überraschend: "Weil es mir Spaß macht."

Das behaupten auch all jene, die sich ihre Altersbezüge aufbessern müssen. Bei Adorf allerdings bleibt kaum ein Zweifel, dass ihm die Auftritte echte Freude bereiten. Denn von einer trockenen Lesung ist dieser Abend weit entfernt.

Gespielter Lachanfall

Mit einer Mischung aus Staunen und Anerkennung sieht das Publikum im Schauspielhaus Bochum den Senior bei einem gespielten Lachanfall auf die Knie gehen und leichtfüßig wieder aufstehen. Er rezitiert ernste Monologe, wie jenen des Juden Shylock aus Shakespeares "Kaufmann von Venedig" - den er übrigens erstmals öffentlich gibt -, mit immer noch großer Bühnenpräsenz.

Er singt - nicht ganz ernst gemeint, aber doch bemerkenswert - ein paar Opernpartien in wechselnden Stimmlagen an. Vor allem aber erfüllt er die Anekdoten aus seinem Schauspielerleben, aus denen sein neues Buch überwiegend besteht, mit so viel Leben, dass die Pointen zünden.

Anekdoten

Die Geschichte vom besoffenen Heinrich George, der eine Aufführungen beinahe in der Kneipe verpasste, hat man auch anderswo schon gehört - so gut erzählt allerdings nur selten. Bei der Geschichte um einen Versprecher in einem Schiller-Dialog, der den verduzten Bühnenpartner zu einer spontanen und abenteuerlichen Textimprovisation verleitete, krümmt sich das Publikum vor Lachen.

"Schauen Sie mal böse" - der Titel ist übrigens ein Zitat des Filmregisseurs Robert Siodmak, der Adorf in den 50er-Jahren zu seinem Schurken-Image verhalf - ist sicher nicht das persönlichste Buch der Schauspieler-Legende. Aber es ist ganz zweifellos ein sehr witziges.

Lesen Sie jetzt