Marius von Mayenburg inszeniert Ayckbourn-Komödie

Schauspielhaus Bochum

Ein mittelständischer Möbelunternehmer, der in einen Abgrund aus betrügerischen Geschäften und mafiösen Strukturen blickt - und das in der eigenen Familie. Marius von Mayenburg hat im Schauspielhaus Bochum mit "Familiengeschäfte" eine typische Alan-Ayckbourn-Komödie inszeniert.

BOCHUM

, 31.01.2016, 11:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Marius von Mayenburg inszeniert Ayckbourn-Komödie

Unternehmer (Michael Schütz) würgt den Privatdetektiv (Thorsten Flassig).

Vor allem in der ersten Hälfte gelingen dem Regisseur gutes Timing und viele Lacher. Wenn der Zeitgenosse Ayckbourn in die aufpolierte Welt eines englischen Bürgerhauses führt, dann ist eigentlich klar, dass es da noch eine schmutzige, zwielichtige, halbseidene Rückseite gibt.

Rollende Bühne, schnurrender Text

Da hätte es im Bochumer Schauspielhaus nicht unbedingt eine Drehbühne gebraucht (Bühnenbild: Nina Wetzel), um sie ab und an am Zuschauer vorbei rollen zu lassen. Wie die Bühne rollt, so schnurrt der Text und ab und zu verfängt ein Lacher.

Der erste Auftritt von Jack McCracken zum Beispiel ist köstlich inszeniert. Kurz bevor er bei einer Überraschungsparty seiner Ehefrau Poppy zum neuen Vorstand des Familienunternehmens gekürt wird, blamiert er sich, wie es schlimmer kaum denkbar ist: Er steht mit nacktem Hintern vor Gästen und Publikum.

Michael Schütz spielt diesen Jack hemdsärmelig zupackend, seine Figur wirkt grundehrlich, stets bemüht und wirklich überrumpelt, als sie in die Abgründe der krummen Geschäfte blickt.

Thorsten Flassig brilliert als Privatdetektiv

Sein größter Antagonist ist allerdings kein Bruder, keine Schwägerin oder was auch immer, die das Unternehmen auf abenteuerlichen Wegen schröpfen. Es ist der Privatdetektiv Benedict Hough, der alles aufzudecken droht.

Dem jungen, äußerst wandelbaren, schlaksig-wendigen Thorsten Flassig gelingt mit der Anlage dieser Figur eine wahre Großtat. Hough tritt erst mal schmierig-unterwürfig auf, wird aber schnell frech und übergriffig.

Er spielt die Trumpfkarten seines Geheimwissens offen aus, tritt von überall auf - aus der Abstellkammer oder Duschkabine (Wie ist er da rein gekommen?). Er steckt seine nackten Füße genüsslich tief in den flauschigen Teppich des Bürgerhauses und baggert offen Jacks Ehefrau an.

Kurzum: Er hebt eine Komödie aus Ayckbourns Massenware über das Mittelmaß.

Termine: 7./9./ 12./ 18.2.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

 

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